1. Die Medien sind an allem schuld (diesen Satz kennen Sie wahrscheinlich alle.).
2. Die AfD will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ARD und ZDF) abschaffen. Das sind für sie zu sehr „Systemmedien“. Dabei sind ARD und ZDF seit der Einrichtung eines dualen Rundfunks 1986 für die „Grundversorgung“ (Information, Bildung, Beratung, Unterhaltung) zuständig. Sie genießen seitens des Bundesverfassungsgerichts eine Bestands- und Entwicklungsgarantie. Nur wenn sie ihren Programmauftrag erfüllen, darf es überhaupt privaten Rundfunk geben.
3. Wie es „die Medien“ machen, falsch ist es immer: 1. Berichten sie über die AFD und ihre zahlreichen gezielten Grenzüberschreitungen (Boateng, Wehrmacht, „Entsorgen“, „Jagen“ etc., von noch Schlimmerem abgesehen), so haben sie die AfD „hochgejazzt“. 2. Begrenzen sie bewusst quantitativ die AfD-Berichterstattung, dann „beschweigen“ sie die „neue“ politische Kraft.
4. Der Konservative Joachim Herrmann (CSU) („Darüber wird in den nächsten Wochen noch zu diskutieren sein, in welchem Ausmaß die beiden öffentlich-rechtlichen Sender massiv dazu beigetragen haben, die AfD nicht klein zu machen, sondern sie groß zu machen.“) und der Alt-Kommunist Hans-Christian Ströbele (Grüne) („Ich empfehle allen, auch ihnen hier beim ZDF oder auch bei der ARD, nicht jeden Furz oder jeden Spruch, den ein AfDler loslässt, selbst wenn der schlimm ist, tagelang, wochenlang immer wieder zu drehen und zu kommentieren. Sie haben die hochgebracht dadurch.“) sind sich einig.
5. Carsten Reinemann (LMU München): „Je häufiger eine Partei in den Medien vorkommt, je positiver über sie berichtet wird oder je stärker ihre Themen im Mittelpunkt stehen, um so eher kann eine populistische Partei profitieren.“
6. Gerade negative Berichterstattung zieht Aufmerksamkeit auf sich.
7. Tanjev Schultz (Universität Mainz) über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: „Diese Sender haben ja den Anspruch, für alle Zuschauer da zu sein. Sie müssen sich also einerseits abgrenzen und distanzieren – andererseits aber auch Zuschauer bedienen, für die die AfD eine echte Wahloption ist.“
8. „Bild“: Nicht die Berichterstattung über die AfD hat die Partei groß gemacht, „höchstens der Mangel an Berichterstattung über manche von der AfD beratenen Themen“.
9. ARD-Chefredakteur Rainald Becker (SWR): „Die Kritik an dem Ergebnis für die AfD müssen sich die Parteien selbst gefallen lassen und nicht im Nachhinein an die Journalisten von ARD und ZDF weiterreichen.“
10. Seit die FPÖ in Österreich ab 1986 mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gezielt Grenzüberschreitungen beging, diskutieren wir, ob und wie die Medien dies verstärken (Karoline Meta Beisel, David Denk, Alexandra Föderl-Schmid, SZ 26.9.17).