1698: Heilpraktiker abschaffen ?

Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert (60) ist Medizinethikerin an der Universität Münster. Sie gehört dem Münsteraner Kreis an, einer 17-köpfigen Expertengruppe, die Heilpraktiker notfalls abschaffen will. Kim Björn Becker hat sie für die SZ (25.8.17) interviewt.

SZ: Sie fordern, den Beruf umzukrempeln und ihn notfalls zu annullieren. Was ist ihr Problem mit den Heilpraktikern?

Schöne-Seifert: Unsere Hauptsorge besteht nicht einmal darin, dass Heilpraktiker ihren Patienten durch obskure Therapien aktiv schaden können. Unsere Hauptkritik zielt auf anti- oder pseudowissenschaftliche Ansätze in der Versorgung und auf fehlende Kompetenzen im Erkennen medizinischen Behandlungsbedarfs. Und das Ganze mit staatlicher Anerkennung.

SZ: Wer als Heilpraktiker arbeiten will, benötigt eine staatliche Zulassung. Ist das keine Garant für bestimmte Standards?

Schöne-Seifert: Nein, im Gegenteil. Die staatliche Zulassung ist ein wesentlicher Teil des Problems. Wenn ein Patient zu einem Heilpraktiker geht, sollte er eindeutig wissen, dass er den Bereich wissenschaftlicher Plausibilität und Sicherung verlässt. Weil es aber in Deutschland eine staatliche Anerkennung des Heilpraktikerwesens gibt, suggeriert dies den Kranken, dass diese alternative Behandlungswelt staatlich angemessen reguliert und qualitätskontrolliert wird. So ist das ja auch in anderen Lebensbereichen der Fall, etwa in der Flugsicherheit. Im Heilpraktikerwesen aber sind diese Qualitätsunterstellungen grundfalsch. Wir fordern daher, den Beruf abzuschaffen oder aber radikal zu reformieren.

W.S.: Ich habe es selbst miterlebt, wie Heilpraktiker großen Schaden anrichten.

 

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