1652: EU lässt Italien mit Flüchtlingen allein.

2016 haben insgesamt 180 000 Immigranten Italien über das Mittelmeer erreicht. In diesem Jahr sind es jetzt mehr als 100 000. Vor der Küste Libyens herrscht ein Regime von Scheichs und Schleppern. Die Boote der europäischen Zivilgesellschaft bleiben an Land. Die Flüchtlinge kommen in eine Gegend, in der die Jugendarbeitslosigkeit zu den höchsten in Europa zählt und die organisierte Kriminalität (Mafia, Cosa Nostra, N’drangheta) unvergleichlich mächtig ist.

„Italien alleine schafft es nicht, kann es nicht schaffen. Wir sind keine Land, das sich durch seine organisatorischen Fähigkeiten besonders hervortun würde, und unsere Kommunen besitzen weder die sozialen noch die sanitären Strukturen, um diesem massiven und kontinuierlichen Ansturm standzuhalten. Es gibt viele freiwillige Helfer, und auch die Kirche trägt das Ihre bei (…). Dennoch könnte die Situation von einer Sekunde zur anderen explodieren. Und zumindest in diesem Fall scheint es mir nicht korrekt zu sein, wieder mal nur den italienischen Staat für sein Unvermögen und seine Versäumnisse anzuklagen.“ (Mario Fortunato, SZ 18.7.17)

„In der Zwischenzeit hat sich das Mittelmeer in eine Art Friedhof verwandelt, auf dem jeden Tag Tausende ihr Leben verlieren. Falls sie aber durch Schiffe aus aller Herren Ländern oder von Nichtregierungsorganisationen aus dem Meer gerettet werden, liefert man sie infolge eines infamen Vertrags ausschließlich an italienischen Küsten ab.“

„Es ist wohl nicht übertrieben festzustellen, dass sich am Migrationsproblem das Schicksal der EU entscheiden wird. Jedenfalls handelt es sich um ein Thema, das unsere Heuchelei offenbart: Du kannst so viel über die Werte der Zivilisation reden, wie du willst – sobald sich aber zeigt, was die Auffanglager wirklich bedeuten, erkennt auch der Dümmste, dass der König nackt ist.“

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