1634: Henry David Thoreau (1817-1862) – ein früher Waldschrat

Henry David Thoreau (1817-1862) gilt heute als Wortführer der Zivilisationskritik, des Aussteigens aus der Gesellschaft und als Natur-Apostel. Tatsächlich hat er sich zweimal große Verdienste erworben:

  1. als Verkünder des zivilen Ungehorsams in seiner Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“,
  2. als kompromissloser Gegner der Sklaverei (dadurch wurde er ein Mitstreiter Abraham Lincolns).

Thoreau war tatsächlich ein Beerensammler, Hüttenbauer, Sklavenfluchthelfer, Steuerverweigerer und Neinsager. Vieles davon erklärt er in seinem Blockhüttenbericht

„Walden oder Leben in den Wäldern“.

Mit seinen Büchern hat Thoreau nie viel Geld verdient. Er war auch sonst beruflich nicht sonderlich erfolgreich. Aber das war ihm egal, da stand er drüber. Als reformpädagogisches Projekt gründet er eine Schule, die bald eingestellt werden musste. Er baute seine Hütte am Waldsee, verließ sie aber nach zwei Jahren wieder. Und er arbeitete aus Geldmangel als Landvermesser.

Die einen sehen ihn heute als „Purity-Fetischist“, dessen Idealismus und Städtephobie durchaus „tugendterroristische Züge“ annehmen konnte. Die anderen erkennen in ihm einen Prä-Hippie, der im Kreise der „Transzendentalisten“ um Ralph Waldo Emerson (1803-1882) an neuen, freien Lebenskonzepten feilte. Thoreau interessierte sich durchaus für die Geschichte und Gegenwart der indianischen Ureinwohner Amerikas. Darüber berichtet er ausführlich in seinen Tagebüchern. Dort philosophiert Thoreau auch über

  • Freundschaft,
  • Religionen und
  • das Göttliche.

„Vor allem aber lässt das Tagebuch erkennen, wie leicht das Wahrheits- und Aufrichtigkeitsbegehren des Verfassers ins Unduldsame und Schroffe wechseln kann.“ (Jutta Person, SZ 12.7.17) Henry David Thoreau war ein früher Waldschrat. Mit ihm war kein Staat zu machen.

 

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