1633: Die Angstgesellschaft

Der an der Humboldt-Universität in Berlin lehrende Kulturwissenschaftler Joseph Vogl hat sich schon häufiger in sozialwissenschaftliche Kontroversen eingemischt. Jetzt hat er einen Begriff von Angstgesellschaft (Präventionsgesellschaft) hergeleitet, mit dem wir arbeiten können (Literarische Welt 15.7.17):

1. Terrorismus und Attentate rufen nach Präventionsmaßnahmen.

2. Sie dienen der Verteidigung moderner Gesellschaften.

3. So funktioniert Angstpolitik.

4. Angst kann rechtlich nicht reguliert, wissenschaftlich nicht widerlegt und diskursiv nicht bestritten werden.

5. Wenn Angst bekämpft wird, nimmt die Angst zu.

6. Sie charakterisiert den letzten Stand gesellschaftlicher Modernisierung.

7. Es geht nicht darum, was man tut oder getan hat, sondern darum, zu welchen Taten man einst fähig gewesen sein wird.

8. Die Befriedigung von Sicherheitsbedürfnissen erzeugt neue Sicherheitsbedürfnisse und steigert Gefahrenwahrnehmung und Schutzverlangen.

9. Präventionsapparate erhöhen die Angstbereitschaft.

10. Die Zirkulation von Ängsten ist systemrelevant.

11. Es wird aufgerufen zum Tausch der punktuellen Abgabe von Rechten (Datenschutz, Fernmeldegeheimnis, Unverletzlichkeit der Wohnung etc.) mit Sicherheitsversprechen.

12. Hanna Arendt hatte einst die Zirkulation von Angst als „Grundtatsache“ der Tyrannis gekennzeichnet.

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