1599: „Die Märkte lieben Angela Merkel.“

Den Chef des Investmentbankings von Goldman Sachs, Richard Gnodde, der sich auf Visite in Frankfurt am Main befindet, interviewt Georg Meck (FAS 18.6.17).

Gnodde: … Die Märkte haben Vertrauen gefasst, dass die Europäische Union sich auf ihre Gemeinsamkeiten besinnt. Die Zeichen dafür sind ermutigend: Der Wahlsieg Macrons, die Signale aus Deutschland, die Zukunft Europas in die eigenen Hände nehmen zu wollen. Das alles weckt die Hoffnung, dass Europa stärker wird: Die Führung in Europa nimmt ihre Verantwortung für die Zukunft an. Das mögen die Märkte, das treibt die Börse.

FAS: Die Märkte lieben Angela Merkel?

Gnodde: Ja. Angela Merkel hat bewiesen, dass sie eine sehr vertrauenswürdige, sehr stabile, sehr starke Anführerin ist – und das über viele Jahre, durch etliche Krisen. Das alles schätzen die Märkte.

FAS: Wenn Trump für freien Handel steht, wie Sie sagen, warum wettert er dann regelmäßig gegen den deutschen Exportüberschuss? Ist Deutschland dafür zu schelten, dass in Amerika so viele BMW und Mercedes fahren?

Gnodde: Es ist immer noch der amerikanische Konsument, der entscheidet, welches Auto er kauft. Wir leben in einer wettbewerbsintensiven Welt, und Deutschland hat dabei viele Vorteile: eine starke industrielle Basis, hervorragende Fabriken, einen tollen Ruf. Wenn Produkte „made in Germany“ die Kunden auf den Weltmärkten überzeugen, dann wäre mein Rat, dass Länder danach streben sollten, ebenso wettbewerbsfähig zu werden. Wer nicht mithalten kann, muss schauen, dass er besser wird.

FAS: Frankreichs Präsident Macron hält die Ungleichgewichte im Handel mit Deutschland ebenfalls für ein Problem.

Gnodde: Ich denke, jeder Politiker sollte sich um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Volkswirtschaft kümmern. Die Mittel dazu sind bekannt:

  • Bildung und Infrastruktur verbessern,
  • den Arbeitsmarkt liberalisieren,
  • Unternehmertum ermutigen. …

 

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