Bruno Ganz, 76, hat seine große Schauspielerkarriere bekanntlich in den frühen sechziger Jahren beim Jungen Theater in Göttingen begonnen. 1970 kam er zur Berliner Schaubühne. Er spielte u.a. in Werner Herzogs „Nosferatu“, Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“ und 2004 in Oliver Hirschbiegels „Der Untergang“. Nun hat ihn Susan Vahabzadeh (SZ 10./11.6.17) interviewt. Ganz macht Aussagen über den Sozialismus und über Deutschland.
Über den Sozialismus:
„Die Welt wird eben nicht so, wie man sie sich vorstellt. Ich glaube, ich bin letztlich froh, dass aus dem Sozialismus, dem ich als junger Mann nachhing, nichts geworden ist – das wäre furchtbar geworden. Wenn ich mir das nur vorstelle, wenn wir unsere merkwürdigen romantischen Vorstellungen durchgesetzt hätten, wie ein Staat aussehen soll – nicht gut. Wir haben die Adenauer-Zeit entstaubt, die Sitten wurden freier, das hatte mit der 68er-Bewegung zu tun, das ist vielleicht gut – aber die politische Bewegung mündete in Baader-Meinhof, das war vielleicht interessant, aber nicht gut.“
Über Deutschland:
„Donald Trump ist ein Riesenproblem, aber die deutschen Wahlen sind keines; es mag geistigen Stillstand geben in der Republik, und vielleicht hat das sogar mit Angela Merkels Regierungsstil zu tun, aber trotzdem ist das alles stabil. Die Deutschen können ganz schön dankbar sein dafür, dass die Dinge sind, wie sie sind.“