1553: Moderner Antisemitismus

Ein Kennzeichen von Antisemitismus ist, dass er immer da ist. Er war nie weg. Auch wenn er stets anlässlich von besonders schlimmen Vorfällen virulenter wird und sich in unser Bewusstsein drängt. Der Antisemitismus kommt aus der

Mitte der Gesellschaft

wie seinerzeit die Nazis. Extrem war allerdings ihre Politik bis hin zum Völkermord.

Nun hat eine aus neun (9) Wissenschaftlern bestehende Kommission ihren zweiten, 300 Seiten umfassenden

Bericht zum Antisemitismus in Deutschland

dem Bundestag vorgelegt. Die Bilanz der Dokumentation ist beunruhigend. Denn der Antisemitismus kommt nicht nur von rechts, sondern auch von links und aus muslimisch geprägten Migrantengruppen und reicht bis in die

evangelische Kirche

hinein. Propalästinensische Initiativen unter dem Dach der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), die auch in Israel tätig sind, überschreiten oft die Grenze zum Antisemitismus. Der „israelbezogene Antisemitismus“ findet bei 40 Prozent der deutschen Bevölkerung Akzeptanz.

Anders als beim ersten Bericht 2011 wurden auch Juden befragt. Für viele von ihnen ist Antisemitismus eine „allgegenwärtige und häufige Erfahrung“. Bei ihnen herrscht der Eindruck vor, dass der Antisemitismus in der letzten Zeit zugenommen habe. Sie fürchten besonders muslimische Migranten. Als sehr bedrohlich wird der Antisemitismus

in den sozialen Netzwerken

empfunden. Die Kommission unterstrich in ihrem Bericht, dass der Antisemitismus von links genau so beobachtet werden müsse wie der von rechts, weil es sonst zu einer Unterschätzung der Gefahren kommen könne. Der Antisemitismus reicht bis in die politische Mitte hinein.

Die Kommission schlägt vor, dass das Bundeskanzleramt einen Antisemitismus-Beauftragten bekommt, der die Kompetenzen bei der Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus ordnet und koordiniert. Bisher geschieht das unter verschiedenen Titeln im Familienministerium, im Innenministerium und in der Bundeszentrale für politische Bildung (Antje Schmelcher, FAS 30.4.17).

One Response to “1553: Moderner Antisemitismus”

  1. Haddinga sagt:

    Es muss scharf und genau unterschieden werden zwischen Antisemitismus und (berechtigter) Kritik an der Politik des Staates Israel. Die Vertreter der Israelischen Regierung versuchen besonders in letzter Zeit Kritiker ihrer Positionen als Antisemiten zu diffamieren. Das ist gefährlich und verwässert den Begriff Antisemit(ismus).

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