Der Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen (Stichwahl: 7. Mai 2017) bestimmt weithin die Entwicklung Europas (in Form der EU). Bei einem Wahlsieg Marine Le Pens kann die EU sogar an ihr Ende kommen. Das nimmt Jürgen Kaube in der FAZ (22.4.17) zum Anlass, über das deutsche Phänomen der
„Frankophilie“
zu schreiben:
„Ihre Geschichte ist noch ungeschrieben, aber es ist fraglos neben der Geschichte der Aufklärung eine Geschichte der ästhetischen Vermittlung.
‚Leben wie Gott in Frankreich‘
kommt als deutsche Redewendung vermutlich am Ende des achtzehnten Jahrhunderts auf und bezog sich früh auf die dort vermutete Fähigkeit zum Genuss und zu ‚allen möglichen Vergnügungen‘ (Heinrich Heine).
Für die Überlegenheit eines Lebensstils, dem Kunst immer auch nach außen und nicht nur nach innen wirkt, wurde Frankreich hierzulande ein Symbol. Staunte die berühmte Madame de Stael in ihrem Buch ‚Über Deutschland‘ 1814 über deutsche Reflexionstiefe und Seelenbewegtheit –
„Beinahe alle verstehen sich auf Musik.“ -,
so richtete sich die Frankophilie der Deutschen stets aufs
Öffentliche, Visuelle, Greifbare.
Die Gedichte Baudelaires, die Impressionisten, die Romanwelt von Marcel Proust, die Gedanken und Gedichte Paul Valérys, der Surrealismus, der Existentialismus und der Strukturalismus –
in jeder intellektuellen und ästhetischen Begegnung mit Frankreich sahen sich die Sensibilität und das Denken unerhört erweitert. Auf nichts davon und nichts dieser Art wäre man in Deutschland je gekommen, was umso bemerkenswerter ist, als manches davon sich auch Anstößen aus Deutschland verdankt.“