Die israelische Professorin für Soziologie, Eva Illouz (Jerusalem), bringt im Sommer 2017 ihr Buch „Wa(h)re Gefühle: Authentizität im Konsumkapitalismus“ bei Suhrkamp heraus. Julia Encke hat sie für die FAS (29.1.17) über Donald Trump befragt.
FAS: Frau Illouz, wie würden Sie Donald Trumps Art, Politik zu machen, beschreiben? Ist das Wort „Gefühl“ in seinem Fall überhaupt der richtige Begriff?
Illouz: Gefühle sind nicht das Problem von Trump! Das Problem von Trump ist, dass er jedes Prinzip und jedes Axiom kommunikativen Handelns und kommunikativer Rationalität im öffentlichen Raum verspottet:
Er lügt ständig
und missachtet den Grundsatz, dass man sich wenigstens den Anschein geben sollte, die Wahrheit zu sagen. Er bestreitet die Gültigkeit von Wissenschaft und damit die
Existenz objektiver Maßstäbe
zum Vergleich miteinander konkurrierender Behauptungen. Er bestreitet überhaupt, dass es eine gemeinsame Welt für alle Menschen gibt. Für ihn existiert nur eine Welt, die aus Menschen besteht, die ihn und seine Interessen unterstützen – seine Verleugnung der Erderwärmung ist dafür nur ein Beispiel. So wie er mit anderen Nationen kommuniziert, versucht er noch nicht einmal, den Eindruck zu erwecken, dass es darum geht, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln: Es ist eine reine Machtdemonstration und nichts anderes, wie im Fall der Drohung, Mexiko für die geplante 20-Milliarden-Dollar-Mauer zahlen zu lassen. …“