1432: Diktaturen erobern die Macht im Weltsport.

Der Philosoph und Sportwissenschaftler Gunter Gebauer (geb. 1944), FU Berlin, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Verhältnissen im Weltsport. Er sieht die Erweiterung der Fußballweltmeisterschaft auf 48 Nationen als eine weitere Stufe auf dem Weg zur Globalisierung, zum Gigantismus und zur Machtverlagerung hauptsächlich nach Südostasien, insbesondere nach China. Michael Horeni hat ihn für die FAS (15.1.17) interviewt.

FAS: Was werfen Sie Fifa und IOC angesichts der Entwicklungen vor?

Gebauer: Wie ihre Vorgänger haben Infantino und Bach die Devise ausgegeben, dass sie die Verbände vor allem unter finanziellen Gesichtspunkten führen. Sie haben sich dem reinen Materialismus ausgeliefert. Das heißt: zur Bereicherung Einzelner und zur Investition in den Sport – und damit auch als Angebot an reiche Länder, viel Geld zur Verfügung zu stellen, um den Fußball beziehungsweise olympische Sportarten für ihre symbolische Darstellung mit gigantischen Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen zu verwenden. Beide Verbände haben verpasst, ihre eigene sportliche Identität zu sichern. Sie haben nicht festgelegt, was den Kern des Fußballs und den Kern von Olympia ausmacht. Da wird immer etwas von Werten gefaselt, aber keiner weiß, welche das sind. Im Fußball droht nun auch der Grundgedanke verlorenzugehen: was die

Spannung,

den Reiz dieses Spiels ausmacht.

FAS: Wo liegen die Begrenzungen dieser autoritären, diktatorischen Staaten (Volksrepublik China, Russland, Katar, W.S.)?

Gebauer: Es ist kein Zufall, dass die besten Fußballmannschaften aus Europa stammen und der beste Fußball in Europa gespielt wird. Fußball braucht und ist gebunden an eine gewisse soziale und kulturelle Umgebung, an eine Stadtkultur. Besonders prominente Städte gehörten immer schon zu den Orten, wo der beste Fußball gespielt wird: Madrid, Barcelona, München, Mailand, Turin, London. Die Renationalisierung Russlands und das „Make Russia great again“ klappt im Fußball jedenfalls überhaupt nicht. Der russische Fußball liegt am Boden, so schlecht war er seit Jahrzehnten nicht.

Die Größe des russischen Sports

besteht vor allem darin, dass er eine

gewaltige Doping-Unkultur

eingeführt hat und damit den olympischen Sport destabilisiert.

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