1426: Yvonne Hofstetter: Am Ende sind Wahlen überflüssig.

Die Geschäftsführerin der Firma „Teramark Technologies“ Yvonne Hofstetter, eine der schärfsten Kritikerinnen des Internets, beschäftigt sich in der FAZ (7.1.17) mit den Tendenzen der künstlichen Intelligenz. Ihrer Meinung nach wird heute schon die Demokratie von vielen jungen Menschen abgelehnt.

Social Bots

sind Maschinen (Roboter), die so tun, als seien sie menschliche Nutzer. Dadurch können sie bei vielen Problemen und Fragen im Netz Mehrheiten vortäuschen, die künstlich erzeugt sind. Beispielsweise auch bei Wahlumfragen.

„Nur wenigen Internetnutzern ist klar, dass die Hälfte des gesamten Internetverkehrs von Maschinen erzeugt wird, die oft kaum als Roboter erkennbar sind.“

Die Digitalisierung hat eine Ära des sofortigen Feedbacks mit sich gebracht. Sie schafft den „gläsernen Bürger“, der als autonomes Subjekt entmachtet wird. „Seit der Einführung des Smartphones im Jahr 2007 bauen wir unser Leben sichtlich in einen Megacomputer um. Zum Zweck der Optimierung wird alles gemessen, gespeichert, analysiert und prognostiziert. Dazu machen wir aus den Gegenständen unseres Alltags Messgeräte. Wir statten sie mit Sensoren aus, wie sie schon in unseren Smartphones eingebaut sind, und hängen sie per IP-Adresse ins Internet.“ So entsteht

das Internet der Dinge.

„Nicht nur internetfähige Mobiltelefone mit Kamera, Mikrofon, Kreiselkompass, Geschwindigkeitsmesser, Annäherungssensoren oder GPS sind ’smart‘. Bald sind es

Autos, Arbeitsplätze, Bildungsstätten, Freizeiteinrichtungen und Häuser.

Unsere sensorisch ausgerüstete Bettdecke misst unser Schlafverhalten und meldet es an unseren Fitness-tracker, der es mit Pulsschlag, Blutdruck und Kalorienverbrauch fusioniert. Der vernetzte Wecker weckt uns mit der Musik, die unserem Seelenzustand am Ende unseres Schlafs am besten entspricht, und ein digitaler Assistent hat dann schon das autonome Auto bestellt, das uns pünktlich zur ersten Arbeitssitzung des Tages abholen wird.“

Die künstliche Intelligenz unserer Umgebung wird uns im Internet der Dinge immer einen Schritt voraus sein. Angeboten wird sie von den Bewusstseins-Konzernen Google, Apple, Facebook oder IBM. „Sollten Sie auf die Idee kommen, den Anbieter ihrer Umgebungsintelligenz zu wechseln, müssen Sie wohl damit rechnen, dass Ihr Leben nicht mehr reibungslos funktioniert.“

Die Umgebungsintelligenz kann berechnen, was unsere politischen Präferenzen sind, wie sie unsere Fitness- und Diätpläne berechnet. Der Wert der Information liegt darin, dass sie die gezielte Lenkung der Zukunft erlaubt. Der politische Bürger kann ebenso manipuliert werden wie der den Konzernen heute bereits bestens bekannte Konsument. Wahlen können heute schon manipuliert werden. Morgen sind wir schon einen Schritt weiter. „Eine Umgebungsintelligenz, die uns rund um die Uhr beobachtet, kann schließlich unsere politischen Präferenzen aus Messdaten ableiten und direkt an die Regierung weiterleiten.“

Wahlen sind dann nicht mehr erforderlich. Auch Berufspolitiker und das Parlament. „Selbst die Regierung könnte durch eine Art Korrespondenzbeauftragten ersetzt werden, wenn man ein ‚System of Systems‘ errichtet, eine künstliche Intelligenz, bei der alle Rohdaten der Umgebungsintelligenz zusammenliefen. Sie würde unsere politischen Präferenzen konsolidieren und daraus die global optimale Handlungsstrategie berechnen.“

„Wie viel Demokratie gäbe es wohl noch, hielten Big Data und die künstliche Intelligenz Einzug in die Politik?“

„Mit der Digitalisierung überführen wir nicht nur die Wirtschaft und unseren Alltag, sondern auch die Demokratie in einen neuen Zustand. Noch verstehen wir die Folgen dieser Transformation nicht genau. Nur für die Technologiekonzerne, die unsere Gesellschaft parallel zur Politik und zu ihren demokratisch beauftragten Institutionen radikal umgestalten, steht fest.

Die Demokratie ist eine alte Technologie. Etwas Neues muss her.“

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