Die Massenmedien (Presse, Hörfunk, Fernsehen) sollen „die Realität“ darstellen. Mit allen Facetten. Dazu gehören auch extreme Ansichten. Insofern kann es berechtigt sein, Extremisten einmal zu Wort kommen zu lassen. Aber nur dann, wenn das journalistisch gekonnt geschieht. Insofern ist ja Günter Jauch gescheitert, als er sich mehrfach u.a. einem Islam-Prediger und Vertretern der AfD nicht gewachsen zeigte. Jauch passt besser zu „Wer wird Millionär?“ und zu Autoversicherungen.
Anne Will hat einer schweizerischen Islam-Propagandistin im Nikab einen Auftritt in ihrer Talk-Show zugestanden. Die Verschleierte machte aus ihrer Sympathie für den IS keinen Hehl. Und sie wurde von Anne Will nicht in ihre Schranken gewiesen. Das wäre aber erforderlich gewesen. Der Medienrechtler Christoph Degenhart sagt dazu: „Natürlich muss die Moderation problematische Äußerungen zurechtrücken. Nicht alles darf unwidersprochen bleiben.“ (Karoline Meta Beisel/Ralf Wiegand, SZ 9.11.16) Insofern ist die eine Talk-Show von Anne Will gescheitert. Journalismus ist keine Veranstaltung für Überforderte und Nichtskönner, sondern manchmal harte berufliche Praxis.
Mein Wort zum Nikab in der Sendung: Verschleierte sollten dort nicht auftreten. Wir können von ihnen verlangen,
dass sie ihr Gesicht zeigen.