1234: Tilman Lahme: Die Manns – ein großartiges Buch

Kürzlich erst habe ich die Lektüre von

Tilman Lahme: Die Manns. Geschichte einer Familie. Frankfurt am Main (S. Fischer) 2015, 479 S.,

beendet. Es ist ein großartiges Buch. Gestützt auf umfangreiches, teilweise bisher nicht ausgewertetes Quellenmaterial (insbesondere Briefe) und die ausgedehnte Forschungsliteratur zur Familie Mann. Tilman Lahme hatte 2009 bereits vorgelegt

Golo Mann. Biographie. Frankfurt am Main (S. Fischer), 551 S.

Er ist ein ausgewiesener Mann-Forscher. Er schreibt flüssig und ist sehr gut lesbar. Und so bekommen wir in sehr vielen Facetten das Leben einer hochneurotischen Künstlerfamilie geschildert, in der fast alle schrieben, die von Tablettenmissbrauch und Homosexualität geprägt wurde und die in vielen Fällen in den Selbstmord und in die Psychiatrie führte. Lahme bietet Neues, obwohl wir ja beispielsweise über die Familie Mann ziemlich gut informiert sind. Etwa durch die Forschungen von Marianne Krüll, die aus feministisch-emanzipatorischer Perspektive den Patriarchalismus herausgearbeitet hat. Der Fall Heinrich Mann, der etwa von seinem Bruder finanziell abhängig war, kommt nur am Rande vor.

Es geht um

Thomas Mann (1875-1955), Katja Mann (1883-1980), Erika Mann (1905-1969), Klaus Mann (1906-1949), Golo Mann (1909-1994), Monika Mann (1910-1992), Elisabeth Mann (1918-2002), Michael Mann (1919-1977).

Mehrere aus der Familie gestartete Musikerkarrieren scheitern mehr oder weniger. Michael Mann, der als Bratscher reüssieren wollte, endet 1977 als US-amerikanischer Germanistikprofessor im Selbstmord. Er ist der Vater von Thomas Manns „Lieblingsenkel“ Frido. Thomas Manns viele politische Fehlurteile werden von Lahme exakt vorgeführt. Klaus Mann, der es als bekennender Schwuler zu Lebzeiten schwer hat, ist heute zumindest unter Fachleuten als Autor anerkannt. Bei seiner Beerdigung 1949 in Cannes ist die Familie verhindert bis auf Michael, der ihm ein Bratschenkonzert spielt. Golo Mann ist in der Familie der seriöse Einzelgänger und Berater. Er macht als Wissenschaftler Karriere und als Politikberater (z.B. von Willy Brandt), ist aber schwermütig. Gegen Ende seines Lebens erweist er sich als Anhänger von Franz Josef Strauß.

Es entspricht wahrscheinlich meiner chauvinistischen Weltsicht, dass ich die Leistungen von Erika, Monika und Elisabeth Mann nicht für so bemerkenswert halte.

Thomas Man hat die Romane „Buddenbrooks“ (1901), „Der Zauberberg“ (1924), die Joseph-Tetralogie (1933-1943), „Doktor Faustus“ (1947) und „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1954) veröffentlicht.

Klaus Mann „Mephisto“ (1936) und die Autobiografie „Der Wendepunkt“ (1952).

Golo Mann die „Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ (1958) und „Wallenstein“ (1971).

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