Der Europäische Gerichtshof hat 2010 das Staatsmonopol bei Sportwetten beseitigt. Daraufhin wurde in Deutschland 2012 der Glücksspielstaatsvertrag geschlossen, mit dem das Staatsmonopol erhalten bleiben und zugleich private Sportwetten zugelassen werden sollten. Das hat anscheinend nicht gut funktioniert. Denn ob ein Wettanbieter illegal ist, ist dem Staat offenbar nicht so wichtig, wenn er Steuern einnehmen kann.
Das Wettgeschehen vollzieht sich in Deutschland seither in einer rechtsstaatlichen Grauzone. Und wir wissen darüber zu wenig. Es gibt wohl etwa 10.000 teils illegale Wettbüros (plus die Wettseiten im Netz). Aber die Kriminalität wird bisher nicht geahndet. Eine Gefahr gerade für junge Menschen und für Männer; denn Frauen beteiligen sich am Wetten kaum. Besonders gefährdet sind junge Männer mit viel Zeit und wenig Geld. 4,5 Milliarden Euro wurden 2014 umgesetzt (Jan Willmroth, SZ 21.22.11.15). Mit steigender Tendenz.
Wie viele der Wettbüros ordentlich Steuern zahlen, ist nicht bekannt. Von den 18 Bundesligaklubs haben 16 mindestens einen privaten Wettanbieter als Sponsor. Hertha BSC beispielsweise „bet-at-home“. Besonders schwer zu übersehen ist das Wettgeschehen, das vom Rechner zu Hause aus zu bedienen ist. Fachleute für Suchtkrankheiten schätzen den Anteil von Spielsüchtigen an den Wettern auf 25 Prozent. Das kann den Staat nicht kalt lassen.