Valery Gergiev startet seine Zeit als Chef der Münchener Philharmoniker am kommenden Sonntag mit Gustav Mahlers „Auferstehungssinfonie“. Der internationale Musik-Star ist Putin-Anhänger und etwa durch herabsetzende Äußerungen über Homosexuelle aufgefallen. Wie er in einem Interview mit Michael Stallknecht (SZ 17.9.15) wieder zeigt, möchte er sich bei politischen Äußerungen weiterhin nicht zurückhalten.
Gergiev: … Ich begrüße die großzügige Gastfreundschaft des deutschen Staates, wenn wir über die Migration reden. Aber das politische Gesamtbild ist alarmierend. Dabei rede ich nicht nur über München, halb Europa ist jetzt voller Spannungen. In Russland haben wir eine Million Migranten aus der Ukraine, also ein ähnliches Problem. Ich weiß nicht, ob wir all diese großen Probleme lösen können. Ich kann nur hoffen. Aber ich weiß nicht, ob der Prozess erfolgreich sein wird, alle diese Menschen zu integrieren. Die kulturellen Unterschiede sind enorm, und Europa ist vorwiegend christlich geprägt. Nun gibt es viele Diskussionen, ob Europa seine Identität verliert. Ich hoffe nicht. In Russland lieben wir deutsche Musik, weil wir empfinden, dass sie ein starker Ausdruck der deutschen Seele ist. Deshalb hängen die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland auch vom kulturellen Austausch ab. Das ist absolut essenziell in dieser Zeit. Wenn die Politiker sich nicht verstehen, heißt das nicht, dass die Völker sich nicht verstehen. Die Völker Russlands und Deutschlands haben meiner Meinung nach eine sehr breite Basis, um einander zu verstehen.