Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq (geb. 1956) ist gemeinhin literarisch sehr umstritten. Dabei ist der Streit – wie nicht anders zu erwarten – auch politisch. Houellebecqs Hauptwerke sind in Deutschland viel diskutiert:
– „Ausweitung der Kampfzone“ 1994,
– „Elementarteilchen“ 1998,
– „Lanzarote“ 2000,
– „Plattform“ 2001,
– „Die Möglichkeit einer Insel“ 2005,
– „Karte und Gebiet“ 2010,
– „Unterwerfung“ 2015.
Julia Encke hat nun die politische Botschaft Houellebecqs gekonnt herauspräpariert (FAS 23.8.15). Dabei verwendet sie das posthum erschienene Buch von Houellebecqs Freund Bernard Maris (1946-2015)
Michel Houellebecq. Ökonom. Eine Poetik am Ende des Kapitalismus. Dumont Verlag, 142 S., 18,99 Euro,
der beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“ ums Leben gekommen ist. Encke behauptet, Houellebecq verweise auf die Schriften der Ökonomen
Robert Malthus (1766-1834),
Karl Marx (1818-1883),
Alfred Marshall (1842-1924),
Joseph Schumpeter (1883-1950) und
John Maynard Keynes (1883-1946).
In seinen Büchern, die in einem engen Zusammenhang ständen, kritisiere der Schriftsteller die Verheerungen des Liberalismus und die Auswüchse des Individualismus (z.B. in „Elementarteilchen“). Die liberale Wirtschaft zerstöre alles, was kollektiv sei, die Arbeitsgruppe, die Familie, das Paar. Ein Zurück aus der Welt des Zerfalls gäbe es für Houellebecq nicht.
Der Schriftsteller schreibe von einer Gesellschaft, deren Regeln und Lebensformen von ihren Subjekten nicht mehr aktiv getragen würden, weil sie für die Einzelnen unerträglich geworden seien und weil dieselbe Gesellschaft das Leben ihrer Mitglieder nur noch als sinn- und ziellosen individualistischen Konkurrenzkampf aller gegen alle organisiere. Es fehle eine
kollektive moralische Instanz.
Houellebecq: „Wir müssen dafür kämpfen, die Ökonomie unter Aufsicht zu stellen und sie gewissen Kriterien zu unterwerfen, die ich als ‚ethisch‘ bezeichnen würde.“