Die Odenwaldschule wird geschlossen. Das ist für die Opfer sexueller Gewalt, die dort geübt wurde, eine Genugtuung. 132 davon gibt es mindestens. Der Verein „Glasbrechen“, der die Geschichte der Odenwaldschule aufarbeiten will, schätzt die Zahl auf 500. Besonders schlimm war es in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter dem Schulleiter Gerold Becker, einem praktizierenden und bekennenden Pädophilen. Schon der Gründer der Odenwaldschule, Paul Geheeb, war ein Pädophiler gewesen. Und insofern ist in der Odenwaldschule auch die „Reformpädagogik“ endgültig beschädigt worden.
Eine Lichtgestalt der „Reformpädagogik“, Hartmut von Hentig („Systemzwang und Selbstbestimmung“), wurde durch die Aufklärung über die Odenwaldschule moralisch vollkommen diskreditiert, eine „kümmerliche Figur“. Hentig war der „Lebensgefährte“ von Gerold Becker. Er sprach gerne vom „pädagogischen Eros“. Wenige Tage vor dem Bekanntwerden des Charakters der Odenwaldschule hielt er einen Vortrag, in dem er beklagte, dass die Gesellschaft misstrauisch auf jede Zärtlichkeit zwischen Lehrern und Schülern blicke. Später brachte Hentig es fertig zu sagen, Becker könnte von Schülern verführt worden sein. Eine Umdeutung der Opfer zu Tätern (Tanjev Schultz, SZ 29.6.15). Billig!