Der Außenpolitik-Chef der SZ (18.6.15) schreibt über Griechenland: „Es ist unendlich schwer, die rhetorischen Sticheleien eines Yanis Varoufakis zu ertragen. Der Finanzminister und am Ende auch Ministerpräsident Alexis Tsipras haben für eine Aufladung gesorgt, die inzwischen das fundamentale Prinzip aller europäischen Zusammenarbeit gefährdet: den Kompromiss. Die Europäische Union ist eine Gemeinschaft, die keine Verlierer kennen darf. Gäbe es stets Triumph und Demütigung – Europa würde nicht existieren können. Hier liegt die eigentliche politische Schuld der Regierung Tsipras. Sie hat das Maß verloren, sie kennt nur schwarz und weiß. …
Griechenland fordert also nicht nur Nachgiebigkeit zugunsten der eigenen Schatulle, sondern zerstört auch die Glaubwürdigkeit der Euro-Zone. Also geht es – wieder einmal – um alles oder nichts: um die Überlebensfähigkeit des Euro. …
Die Krise wird ungeachtet aller Zahlungsfristen weitergehen. Griechenland wird seine Schuld nicht begleichen, Europa wird kein weiteres Geld zuschießen. Eine Parallelwelt in Form von Schuldverschreibungen wird in Griechenland zirkulieren, für den Euro wird es Kapitalverkehrskontrollen geben. All das wird enorme emotionale Spannungen provozieren. Griechenland wird ein ökonomischer ‚failed state‘ sein – ein gescheiterter Staat. Eine Tragödie, die für die Euro-Zone schwer erträglich ist. Alles andere wäre schlimmer.“