Er ist die „Stimme der Bundesrepublik“ und deswegen der richtige Redner in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestags zum 70. Jahrestag des Kriegsendes:
Heinrich August Winkler,
der anerkannte Historiker, 1938 in Ostpreußen geboren, seit 1962 Mitglied der SPD. Winkler betrachtet
den Westen
als „normatives Projekt“, eine Wertegemeinschaft, 1776 begründet mit der Grundrechte-Erklärung in Virginia, vollendet mit der Menschenrechtserklärung in Paris 1789. Wenn er auch die vielen Fehler bei der Verwirklichung des Projekts nicht übergeht. Im Gegenteil: den Irakkrieg, die regierungsamtlich angeordnete Folter, Drohnenschläge gegen Zivilisten, also „Kollateralschäden“ in Serie.
Winkler hat 2000 sein zweibändiges Standardwerk
„Der lange Weg nach Westen“
veröffentlicht. Von 2009 bis 2015 erschien seine vierbändige
„Geschichte des Westens“.
Hier hat er das Selbstverständnis der Bundesrepublik auf 5900 Seiten auf den Punkt gebracht: Deutschland ist eine funktionierende Demokratie, ein loyaler Partner der USA, ein Gemeinwesen, das aus der Geschichte gelernt hat (Franziska Augstein, SZ 8.5.15).