846: Hörisch: Die Uni ist heute geist- und besinnungslos.

Der bekannte und erfolgreiche Germanist Jochen Hörisch (Mannheim) beklagt sich über den Zustand der deutschen Universität (taz 14./15.2.15).

Dort werde heute über die eingeworbenen Drittmittel gesprochen, über die Prämien für die Einwerbung von Drittmitteln, die Vorfinanzierung der Antragsprosa, die Höhe der Studiengebühren, etwaige Gehaltszulagen bei Berufungsverhandlungen, die Milliardenbeträge, die in Exzellenz-Initiativen fließen, und die Probleme bei der Anlage von Stiftungsvermögen.

Das Medium der Universität sei heute das Geld. Es sei ein homogenisierendes Mittel. Ein Spitzengemälde von Gauguin, ein Neubau und ein Sonderforschungsbereich kosteten womöglich alle 70 Millionen Euro. Sie seien aber nicht gleichwertig.

Jeder Drittmittel-Antrag verspreche einen multiperspektivischen und plurimethodischen Ansatz, die Ergebnisse des Projekts sollten multidisziplinär anschlussfähig sein. Tatsächlich  seien die Ergebnisse meist langweilig. Kein Mensch interessiere sich für sie. Kritisch sei die Lage gerade bei den Sozial- und Geisteswissenschaften. Sie hätten sich der Forschungskultur der Naturwissenschaften unterworfen. Einzig gültiges Kriterium: Drittmittel.

„Was der Forscher außer von Sammelbandvorworten und Antragsprosa … verfasst und publiziert, spielt schlicht keine Rolle mehr.“ Dabei verdankten sich die Publikationen eines Jan Assmann, eines Norbert Bolz, Hans-Ulrich Gumbrecht oder Peter Sloterdijk gerade der Freiheit und Einsamkeit des Forschers und nicht den endlosen Gremiensitzungen eines Drittmittelprojekts.

Nach Jochen Hörischs Meinung ist die Universität heute „ebenso geldbesessen wie geist-und besinnungslos“.

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