5514: Florian Illies: Die Manns: eine Familienaufstellung

1. Die Familie von Katia und Thomas Mann ist wohl die bekannteste in Deutschland. Und eine der kaputtesten. Es gibt Berge von Briefen und Tagebüchern. Hermann Kurzke, Tilmann Lahme und Florian Illies haben sie ausgewertet.

2. Sie hatten sechs Kinder: Erika, Klaus, Golo, Monika (Mönle“), Elisabeth („Medi“) und Michael, von denen zwei, Klaus und Michael, Selbstmord begingen. Wie in der Generation davor auch schon Thomas‘ Schwestern Julia und Carla.

3. Es herrschte eine große Gefühlskälte. Alle versuchten, dem Vater zu gefallen. Zum Schutz wurde Ironie angewandt.

4. Der hatte zwei Lieblinge: Erika und Elisabeth. Monika war das schwarze Schaf.

5. Klaus war ein großer Schriftsteller („Wendepunkt“, „Mephisto“).

6. Golo galt als „Kauz“. Er war immerhin Prodessor für Geschichte und hat den vielseitigen „Wallenstein“ verfasst. Tilmann Lahme hat ihm eine höchst lesenswerte Biografie gewidmet. Golo hat sich auf dem Kilchberger Friedhof in Zürich weit weg von seinen Eltern begraben lassen.

7. Einige Familienmitglieder wurden Zeit ihres Lebens von den Eltern materiell unterstützt.

8. Es gab häufigen und heftigen Drogenkonsum.

9. Als Eltern waren Katia und Thomas Mann liberal.

10. Monika sagte: „Die zwei Jahrzehnte, die ich im Elternhaus am Mittagstisch verbracht habe, fühlen sich in der Erinnerung wie zwei Jahrtausende an.“

11. Golo fing mit dem Schreiben erst nach dem Tode des Vaters 1955 an.

12. Klaus war politisch sehr scharfsinnig und kritisierte 1933 etwa Gottfried Benn. Er gründete in Amsterdam die Zeitschrift „Die Sammlung“, an der sein Vater trotz vorher gegebener Zusage nicht mitarbeitete.

13. Heinrich Breloers Dokumentation „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von 2001 hat der Erkenntnis über die Familie Mann sehr gedient.

14. Thomas Mann ist so gegenwärtig wie nie vorher. Durch das 100-jährige Jubläum seines Weltklasseromans „Zauberberg“ 2024 und seinen 150. Geburtstag 2025.

15. Golo Mann war es 1933 gelungen, die Bücher und Möbel der Familie unbemerkt von den Nazis ins Ausland bringen zu lassen.

16. Erika schrieb 1933 an Klaus: „Was ist uns in unseren jüngeren Jahren doch für eine Last auf die Schultern gelegt worden durch unseren unmündigen Vater.“

17. „Was für eine schrecklich nette Familie.“ (Die Zeit, 13.11.25)

 

 

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