4346: Die Behandlung des Antisemitismus im heutigen Polen

Obwohl es in Polen hervorragende Historiographinnen gibt wie Barbara Engelking, wird eine kritische historische Forschung in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg in Polen zunehmend verhindert. Engelking hat vor zwanzig Jahren an der Polnischen Akademie der Wissenschaften ein Zentrum für Holocaust-Forschung gegründet. Ihre Forschung wird vom polnischen Staat nicht mehr voll unterstützt. Das ist nicht der erste Versuch polnischer Populisten, die Geschichte ihres Landes vor noch so seriöser Kritik abzuschirmen.

Der bekannteste Fall ist der des polnisch-amerikanischen Historikers Jan T. Gross, der 2001 ein Buch über das Massaker von Jedwabne publiziert hatte. Dort hatten im Sommer 1941 nach dem Abzug der sowjetischen Besatzer in Gegenwart der Deutschen Polen ihre jüdischen Nachbarn ermordet und sich deren Hab und Gut bemächtigt. Der damalige Staatspräsident Alexander Kwasniewski hatte sich 60 Jahre danach dafür an einem neu eingerichteten Mahnmal entschuldigt. Unter dem Einfluss der populistischen PIS wurde dann der geschichtspolitische Rückwärtsgang eingelegt. Eine 2006 verabschiedete „Lex Gross“ drohte jedem mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, der die „polnische Nation“ der Teilnahme an kommunistischen oder nationalsozialistischen Verbrechen bezichtigte. 2018 unterzeichnete Präsident Andrzej Duda ein Holocaust-Gesetz, das alle mit Strafe bedroht, die Polen Schuld oder Mitschuld an Nazi-Verbrechen anlasten (Norbert Frei, SZ 26.5.23).

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