4284: Erster Film über den Völkermord an den Herero und Nama

Lars Kraumes Film über den Völkermord an den Herero und Nama, „Der vermessene Mensch“,  ist erschienen. Er thematisiert das Überlegenheitsgefühl der „industriellen Revolution“ über die „minderwertigen Rassen“. Im Film sagt Professor von Waldstätten: „Ureinwohner verschwinden wie der Schnee in der Sonne der aufgehenden Zivilisation.“ In der kaiserlichen Armee agierten Killer wie der General von Trotha, der, als die Einkesselung der Herero und Nama nicht gelang, befahl, diese in der Wüste Kalahari verdursten zu lassen, 60.000 Menschen. Der erste Völkermord in der Geschichte. Wer überlebte, kam ins „Konzentrationslager“. Hanna Arendt schrieb später zu Recht, das sei der „Probelauf“ fürs Abschlachten und Ausrotten gewesen. Der Film klärt auf über die gnadenlose Gewalt nach außen und nach innen. Die Schädel der Opfer wurden präpariert und gingen nachher kistenweise in den Export nach Deutschland.

„Lars Kraume ist kein Afrika-Romantiker, er beschönigt nichts. Wenn der stets in neutrales, man könnte auch sagen. in nihilistisches Weiß gekleidete von Waldstätten in seinen Vorlesungen über die Wildheit der Wilden doziert, erwähnt er die jahrhundertealten Stammeskriege, er spricht über afrikanische Sklavenhalter, über Ausbeutung und Vertreibung. Kühl und abgebrüht erzählt er von der blutigen Geschichte des Kontinents, empathiefrei und zutiefst einverstanden, denn genau so stellt sich der deutsche Fachmensch die Weltgeschichte vor: als Schlacht- und Schädelstätte, wo der Stärkere siegt, und was vom ‚Verlierer‘ übbrigbleibt, kommt als Artefakt in ein Humboldtforum.“

(Thomas Assheuer, Die Zeit 23.3.23)

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