Harald Schmidt, 65, der bekannte Entertainer, gastiert mit seinem Programm „Spielzeitanalyse“ im Stuttgarter Schauspiel. Christine Dössel hat ihn dort für die SZ (11./12.2.23) interviewt.
SZ: Sie vertreten sehr selbstbewusst die Position des „alten weißen Mannes“.
Schmidt: Geradezu aggressiv! Wir sind die Mehrheit. 22 Prozent der Deutschen sind über 60. Jeder zweite Deutsche ist älter als 45. Der demographische Faktor wird nach meiner Einschätzung ein viel größeres Thema als der Klimawandel. 80.000 Boomer gehen jeden Monat in Rente. Das große Thema der Leute ist: Geld. Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung. Altersarmut. Schlecht abgesicherte Frauen, Kinder großgezogen, Scheidung. Das ist mein Thema. Und das ist auch mein Publikum.
SZ: Die Klimakrise beschäftigt sie nicht?
Schmidt: Klimawandel heißt für mich: Es hat im Sommer 40 Grad. Kann ich abends draußen sitzen. Natürlich ist das ein Problem. Aber da verlasse ich mich auf Wissenschaft und Technik.
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SZ: So manche Witze aus ihrer Dirty-Harry-Zeit fallen heute unter Bodyshaming oder Rassismus.
Schmidt: Selbstverständlich mache ich keine Polen-Witze mehr. Aber es macht mir einen Riesenspaß, politisch korrektes Vokabular zu verwenden. Je korrekter ich formuliere, desto größer meine Verachtung. Dass es jetzt nicht mehr „Clan-Kriminalität“ heißt, sondern „familienbasierte Kriminalität“ – ein Geschenk des Himmels. Ich würde nie schimpfen, man dürfe ja nichts mehr sagen. Der einst gefeierte Kanrnevalsänger Ernst Neger heißt bei mir jetzt Ernst Person of Color.
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