4154: Wer wird Nachfolger Daniel Barenboims ?

Es zeichnete sich ab, und ist nun traurige Wirklichkeit geworden: der Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden, Daniel Barenboim, tritt zum 31.1.2023 aus Krankheitsgründen von seinem Posten zurück. 30 Jahre hatte er ihn inne. Der Dirigent, Pianist und unermüdliche Streiter für die Aussöhnung von Juden und Palästinensern hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Lindenoper auf höchstes Niveau geführt. Bravourös.

„Leider hat sich mein Gesundheitszustand im letzten Jahr deutlich verschlechtert. Ich kann die Leistung nicht mehr erbringen, die zu Recht von einem Generalmusikdirektor verlangt wird … Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich zum 31. Januar 2023 diese Tätigkeit aufgebe.“

Barenboim hat zeitlebens „exzessiv musiziert“. „Seine poetische Ernsthaftigkeit, seine nie nachlassende Neugier, seine Leidenschaft und die Fähigkeit, sich mit seinen Hörern ganz tief in die menschlichen Abgründe vor allem bei Richard Wagner und Ludwig Van Beethoven zu verlieren, machten ihn bis zuletzt zu einem der aufregendsten und bewegendsten Musiker der Nachkriegszeit.“ (Reinhard Brembeck, SZ 7./8.1.2023)

Den von ihm ersehnten „Ring des Nibelungen“ zu seinem 80. Geburtstag konnte er schon nicht mehr selbst dirigieren. In zwei Zyklen übernahm das Barenboims Kollege Christian Thielemann (Dresden). Souverän. Er gilt deshalb als erster Anwärter auf die Barenboim-Nachfolge. An seiner musikalischen Kompetenz kann nun wirklich kein Zweifel bestehen. Aber er polarisiert. So wurde 2015 bei den Berliner Philharmonikern nicht der Favorit Thielemann ausgewählt, sondern Kirill Petrenko. Warten wir also ab.

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