Ein Kinderbuchverlag hat sich gegen ein Begleitbuch zu einem Film entschieden, der sich vage an Karl Mays Büchern orientiert. Geht das heute nicht mehr? Ist Winnetou kulturelle Aneignung? Politisch inkorrekt? Tatsächlich war der 1912 gestorbene Schriftsteller Karl May dem Wilhelminismus verpflichtet, den wir heute wirklich nicht mehr wollen. Die Nazis mochten Karl May. Und Markus Söder darf auf Twitter „Cowboy und Indianer“ spielen.
„Das Problem ist nicht Winnetou, es sind auch weder Junge noch Alte. Es ist, dass sich sehr viele, etwa in Social media, gerade zur Wirklichkeit verhalten wie einst Karl may zu Nordamerika. Wir reisen nicht hin, wir schwelgen lieber in unseren jeweiligen Fantasien eigener moralischer Größe. Und übersehen geflissentlich, welch ungelösten Aufgaben anstehen: das Klima und die Demokratie zu retten, einen Kriegstreiber zu stoppen, eine Reihe von Ungerechtigkeiten ganz real auszugleichen. Es ist viel zu tun.“ (Kia Vahland, SZ 29.8.22)