Diktatoren und Autokraten können sehr wohl lernen. Sie betreiben ein Management der öffentlichen Meinung. Sie sind heute „Spin Dictators“. Ihnen ist bekannt, dass es nicht immer die „großen“ Medien sind, die entscheiden, sondern häufig die lokalen. Deswegen investieren sie dort. Dazu benötigen sie halbwegs plausible Wahlen. Allzu große Mehrheiten sind dabei nicht gewünscht. Stalin hatte einmal bei den Wahlen zum Moskauer Stadtparlament 131 Prozent.
Bestimmte Schritte sind weit verbreitet: Angriffe auf die Justiz, Diffamierung freier Medien, Verbreitung von Fake-News, Hetze gegen Minderheiten. Die Regierungskunst nennen wir heute „soft autoritär“. Insofern können wir Bolsonaro und Modri mit Recht so betrachten wie Putin. Die Menschen sind den Repressionen der herrschenden nicht mehr so ungeschützt ausgesetzt wie früher. Unzufriedene Ungarn finden schnell einen Arbeitsplatz in der EU. Putin wird sich wohl freuen, dass vier Millionen Bürger das Weite gesucht haben. Für Russland eine Katastrophe, für Putin weniger Opposition. An den Machenschaften der Diktatoren und Autokraten haben auch viele Banker, Anwälte und Immobilienmakler im Westen sehr gut verdient (Jan-Werner Müller, Zeit 23.6.22).