Am 4. Detember 2021 veröffentlichte die „Bild“ den Text „Die Lockdown-Macher“. Dagegen wurden beim Deutschen Presserat 94 Beschwerden erhoben. Auch aus der Wissenschaft. Die Universität des einen „Lockdown-Machers“ schrieb: „Diese Art der Berichterstattung ist weit entfernt von jeder journalistischen Redlichkeit.“ Ein breites Bündnis von Wissenschaftsorganisationen protestierte gegen den Text: die Leopoldina, die Max-Planck-Gesellschaft, die Leibnis-Gemeinschaft, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Hochschulrektorenkonferenz. Die Organisationen befürchteten, der „Bild“-Beitrag habe zu einem Meinungsklima beigetragen, „das an anderer Stelle bereitzs dazu geführt hat, dass Wissenschaftler sich demnach physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt sahen oder bedroht wurden“.
Nun stellt der Presserat fest: „Die von der Redaktion vorgenommene Bezeichnung der drei Experten als ‚Lockdown-Macher‘ hat einen Tatsachenkern und verletzt deshalb nicht die journalistische Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressecodex.“ Der Einfluss der genannten Wissenschaftler auf politische Entscheidungen über Corona.Maßnahmen lasse sich belegen. Der Begriff die „Lockdown-Macher“ sei eine zulässige Zuspitzung. Durch ihre Auftritte in den Medien hätten sich die Wissenschaftler freiwillig in die Öffentlichkeit begeben. Der neue „Bild“-Chefredakteur Johannes Boie hatte sich Ende Januar reumütig gezeigt und einen Fehler in der Berichterstattung eingeräumt.
Von den 60 ausgesprochnenen Rügen des Deutschen Presserats 2021 gingen 26 auf das Konto von „Bild“. Die übrigen Rügen betrafen 31 verschiedene Medien. Insgesamt erhielt der Deutsche Presserat 457 Einzelbeschwerden und prüfte 294 Artikel. Als schweren Verstoß gegen das Wahrhaftigkeitsgebot wertete der Presserat die Bild.de-Schlagzeile „Experten sicher: RKI-Zahlen stimmen nicht – es sterben weniger Menschen, als täglich gemeldet werden.“ (Anna Ernst, SZ 25.3.22)