3262: Von Schneider zu Schwerte

In der „taz“ vom 27. Januar 2021 rezensiert Bernd Müllender die Doktorarbeit von Angelina Pils aus Hildesheim. Sie beschäftigt sich mit dem ehemaligen SS-Wissenschaftler Hans-Ernst Schneider, der beteiligt war an der Schein-Forschung von Heinrich Himmlers „Ahnenerbe“. Dort kam es zu Menschenversuchen und Morden in Dachau. 1945 wechselte Schneider seine Identität zu „Hans Schwerte“ aus Hildesheim. Seine Frau Annemarie ließ Schneider für tot erklären. 1947 heiratete Schwerte seine Schein-Witwe wieder, adoptierte seine leibliche Tochter und startete eine neue wissenschaftliche Karriere als Germanist.

In Salzburg arbeitete er als Honorarprofessor. 1965 gelangte er nach Aaachen an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH). Inzwischen gebärdete er sich als Faust-Forscher und linksliberal und machte Karriere. Er war bei den Studenten sehr beliebt. Von 1970 bis 1973 war er Rektor. Aber die Gerüchte über seine SS-Vergangenheit verdichteten sich. 1995 flog die Doppelidentität auf. Der Professorentitel wurde aberkannt, Beamtenbezüge und Pension zurückgefordert. Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse musste er zurückgeben. Eine schwierige Zeit begann. Angelina Pils hat Schneiders Tagebucheintragungen von 1942 bis 1999 ausgewertet. Darin gebe es „keine Einträge reflektierter Reue. Er hat die NS-Zeit einfach abgetrennt.“ Damit war er wohl kein Einzelfall. 1999 starb Schneider in einem bayerischen Seniorenheim.

Bernd Müllender hat die Doktorarbeit von Angelina Pils fachmännisch rezensiert und wissenschaftlich seriös eingeordnet.

Aber ich frage mich, warum bei ihm nicht Claus Leggewies Buch „Von Schneider zu Schwerte“. München – Wien. 1998, 363 Seiten, genannt wird, das bei mir seit 1998 in der Bibliothek steht. „taz“, pass auf!

Comments are closed.