3216: Gründgens‘ Landhaus (1934-1946)

Dem Berliner jüdischen Bankier Ernst Goldschmidt gehörte das Landhaus Zeesen am Zeesener See bei Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin. Er kannte sich nach dem Ersten Weltkrieg in der Theaterszene genau so gut aus wie in der Finanzwelt. Hier verbrachte der kranke Dichter Klabund (Alfred Henschke) Mitte 1926 zwei Monate mit seiner Frau Carola Neher. Er dichtete die „Ode an Zeesen“ („Und ich sitze nackt auf der Veranda, …“). Goldschmidt besaß auch eine Villa am Wannsee (das heutige „Literarische Colloquium Berlin“). Dort hatte Carl Zuckmayer 1925 „Der fröhliche Weinberg“ geschrieben. Diese Geschichte erzählt uns Klaus Völker, von 1993 bis 2005 Rektor der Schauspielschule Ernst Busch:

Mephistos Landhaus. Klabund (1926) und Gründgens (1934-1946) in Zeesen. Berlin 2020. 32 Seiten, 33 Abbildungen, 8 Euro.

1934 kaufte der Generalintendant der Preußischen Staatstheater, Gustaf Gründgens, ein Günstling Hermann Görings, das Schloss unter Bedingungen, die nie ganz geklärt worden sind, von Ernst Goldschmidts Sohn. Der Anwalt, der den Kauf für Gründgens abwickelte, gehört der SA an. Er wurde beim Röhm-Putsch im Juli 1934 ermordet. Gründgens bewohnte Schloss und Park samt zwei Kavaliershäusern, einem Gewächshaus und einem Bootshaus mit Marianne Hoppe, die er 1936 heiratete. Im Schlosspark wurde 1939 „Der Schritt vom Wege“ (nach Theodor Fontanes „Effi Briest“ in Gründgens‘ Regie) mit Marianne Hoppe in der Hauptrolle gedreht. Gustaf Gründgens stand bei den Nazis auf der „Gottbegnadetenliste“ und galt als sakrosankt. In der DDR beherbergte das Schloß Zeesen zunächst ein Heim für Waisenkinder, dann für Kinder von Diplomaten (Lothar Müller, SZ 7.1.21).

Comments are closed.