2990: Aufbau Verlag – 75 Jahre

Noch vor Gründung der DDR und der Bundesrepublik wurde der Aufbau Verlag am 16. August 1945 in Ost-Berlin ins Leben gerufen. Und zwar vom „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ unter seinem Präsidenten Johannes R. Becher, dem nachmaligen kommunistischen Kultusminister der DDR. Die ersten Bände stammten von Maxim Gorki und Georg Lukacs. Seinerzeit in Auflagen von 10.000 bis 30.000. Erfolgsbücher wurden „Das siebente Kreuz“ von Anna Seghers, Heinrich Manns „Untertan“ und Theodor Pliviers „Stalingrad“. Wir sehen, dass es ein großes Programm gab.

Mit Gründung der DDR und der SED betrachtete diese den Verlag als ihr Eigentum. Der große literarische Anspruch blieb, aber die Propaganda hielt Einzug. Der Verlagsdirektor

Walter Janka,

KZ-Insasse, Exilant, Spanienkämpfer, bemühte sich um Unabhängigkeit. Er druckte Hemingway, Sartre und Bertolt Brecht (dank eines Abkommens mit Suhrkamp). Nach dem ungarischen Aufstand 1956 wurde er in einem Schauprozess verurteilt. Die Spannung zwischen der offiziellen Kulturpolitik und der ästhetisch-politischen Öffnung, für die der Verlag steht, bleibt erhalten. 1976 protestieren die Aufbau-Autoren Stephan Hermlin, Sarah Kirsch, Günter Kunert und Christa Wolf gegen die Ausbürgerung

Wolf Biermanns.

Verlagschef Elmar Faber hielt trotz alledem eine gewisse Liberalität durch. Victor Klemperers „Sprache des Dritten Reichs“ (1946) fand eine Fortsetzung in seinen Tagebüchern. Hans Fallada wurde mit der Originalfassung von „Jeder stirbt für sich allein“ wieder zum Bestseller-Autor. Im Rahmen der allgemeinen Privatisierung übernahm 1991 ein Immobilien-Investor aus Frankfurt den Verlag. Der bezog 2011, nach der Übernahme durch einen anderen Investor 2008, sein neues Domizil am Moritzplatz in Kreuzberg. Das Renommee des Aufbau-Verlags bleibt (Lothar Müller, SZ 14./15.8.20).

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