Thomas Steinfeld stellt in der SZ (28.7.20) Überlegungen zur Kleinfamilie an, die ich um einige Gedanken ergänze.
1. Alva und Gunnar Myrdal, die schwedischen, sozialdemokratischen Sozialforscher, dekretierten 1935: „Dass ein erwachsener Mensch, meistens die Mutter, die Tage zu Hause und mit der Aufsicht von ein oder zwei Kindern verbringen sollte, erscheint als mehr oder minder unangemessen.“
2. In der Coronakrise hat die Kleinfamilie, meistens die Mütter, Aufgaben übernommen, die vorher anders erledigt wurden.
3. Zu meiner Studienzeit (1968-1972) erschien vielen Studierenden die Kleinfamilie als Kernzelle des Faschismus.
4. „Schlüsselkinder“ wurden in der BRD bedauert und in der DDR als Zeichen des Fortschritts verstanden.
5. Immer noch geistert das Märchen herum, in der DDR habe es für Frauen mehr Chancen gegeben als in der BRD.
6. Die Corona-Krise kann von wohlhabenden Eltern, die sich Haushaltshilfen, Therapeuten und Nachhilfelehrer leisten können, besser bewältigt werden als von anderen, so der US-Journalist David Brooks.
7. Generationen folgen seit den neunziger Jahren in Abständen von fünf Jahren oder weniger aufeinander.
8. Weltanschauung, Habitus und Stil sind an die Stelle der Genealogie getreten.
9. „Am Ende tragen die Eltern die gleiche Kleidung wie die Kinder, reden dieselbe Sprache, hören dieselbe Musik, sodass die Kleinfamilie sich gleichsam von innen heraus in eine Wohngemeinschaft verwandelt …“
10. „Zugleich entpuppt sich das Heranziehen von Kindern nicht nur als teures und im Resultat höchst unsicheres Unterfangen, selbst wenn die Eltern beieinander bleiben sollten.“
11. Alva und Gunnar Myrdal (1935): Die Familie sei „eines vorsichtigen Umgangs nicht wert und verlange nach einer radikalen Operation“.
12. Dann können ja die alle froh sein, die nicht in der Kleinfamilie leben müssen: die Alleine-Lebenden, die Allein-Erziehenden, die Alten-WGs usw. usf. Ich gratuliere.