2966: „Frankfurter Rundschau“ 75 Jahre alt

Die „Frankfurter Rundschau“ (FR) ist 75 Jahre alt. Ihre erste Ausgabe erschien am 1. August 1945. Gegründet von sieben Männern, die mit der Nazi-Lügenpresse schnellstens aufräumen wollten. Unter dem ab 1954 alleinigen Herausgeger und Chefredakteur Karl Gerold (1906-1973) wurde daraus das linksliberale Blatt in Deutschland. Zunehmend und zusätzlich verankert im akademischen und studentischen Milieu, basierend auf einer guten regionalen Vernetzung im Rhein-Main-Gebiet (Chefredakteur Thomas Kaspar, FR 1./2.8.20)

1946 schrieb Karl Gerold in einem Leitartikel: „Was wir brauchen, ist nicht nur eine geistige Elite, welche diesen Namen wirklich verdient. Vor allem brauchen wir heute ruhige, rechtlich denkende Männer und Frauen, die den Mut aufbringen in aller Öffentlichkeit wie im privaten Kreise, aus eigener Initiative auf das hinzuweisen, was notwendig ist. Männer und Frauen, die ein festes Ja und ein festes Nein in den Dingen des persönlichen und öffentlichen Lebens zu setzen vermögen und dazu stehen können.“ (FR 1./2.8.20)

Die FR nahm in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren auch ökonomisch eine positive Entwicklung. Die verkaufte Auflage stieg stetig. Aber es gab auch angesichts der wachsenden Konkurrenz wirtschaftliche Probleme, die 2006 einen Verlagswechsel nach sich zogen. Gerolds Nachfolger bei der FR von 1973 bis 1992 war Werner Holzer (1926-2016). Er war gestartet als Auslandskorrespondent und wurde führend in der „Dritte-Welt“-Berichterstattung. Bei ihm finden wir schon Auseinandersetzungen mit der Weltwirtschaftsordnung, mit Globalisierung und Kolonialismus, wie sie heute allmählich durchgesetzt werden. Die FR war lange Zeit auf diesen Feldern das führende Blatt.

Wir können uns nur wünschen, dass diese Stimme noch lange zu hören ist und gehört wird.

(Gewidmet Angela und Edgar Heunisch, Adelebsen).

 

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