Die Deutsche Zoologische Gesellschaft hat auf ihrer 112. Jahrestagung im Herbst 2019 die „Jenaer Erklärung“ abgegeben. Danach kann der Rasse-Begriff auf Menschen nicht angewendet werden – und konnte es auch nie. „Rassismus braucht eine Legitimation, deshalb sucht er sich Erklärungen und besonders gern biologische Erklärungen, weil sie naturgegeben erscheinen sollen.“ „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.“
Vordenker des „Rasse“-Begriffs waren Carl von Linné in seinem „Systema Naturae“ (1735) und Ernst Haeckel in seiner „natürlichen Schöpfungsgeschichte“ (1868). Sie haben den Versuch unternommen, Tiere und Menschen nach äußeren Merkmalen zu kategorisieren und zu bewerten.
Während es z.B. bei Hunden Züchtungen mit sehr engem Genpool gibt, sprechen wir beim Menschen von einem „genetischen Gradienten“, der sich nur in willkürliche Kategorien unterteilen lässt. Wissenschaftler vergleichen ihn mit einem Farbkreis. „Klar gibt es dort Rot, Grün und Blau. Aber nur wenn ich alles zwischendrin weglasse und von einer Seite zur anderen springe.“ Wissenschaftler sprechen von
Populationen.
Eines der häufigsten Kategorisierungsmerkmale ist die Hautfarbe. Eine scharfe Grenze zwischen „schwarz“ und „weiß“ aber gibt es nicht. Weder mit Blick auf die Gene noch mit Blick auf die Gesichter der Menschen. „Wenn wir die genetische Diversität betrachten, finden wir allein in Europa jede Veränderung der DNA, die es im Menschen geben kann.“ Zwar gibt es in bestimmten Gegenden auffällige Häufungen. So sind Menschen in Südostasien im Durchschnitt kleiner als solche in Nordeuropa. Die Variabilität aber ist auch hier gegeben. Es gibt in beiden Regionen sehr große und sehr kleine Menschen.
Ein oft gebrauchtes Argument für „Rasse“ lautet, dass erfolgreiche Marathonläufer häufig aus afrikanischen Ländern wie Äthiopien oder Kenia kommen. Nach der „Jenaer Erklärung“ gibt es aber „keine wissenschaftlichen Belege für die Existenz einer ‚Läufer-DNA'“. Womöglich spielen ideale Trainingsbedingungen (etwa im Hochland) und frühe Förderung eine deutlich größere Rolle (Felix Hütter, SZ 25.6.20).