2909: Journalistischer Kulturkampf bei der „taz“

In der „taz“ vom 15.6.20 hat Hengameh Yaghoobifarah in einem Meinungsbeitrag geschrieben, dass dann, wenn der Kapitalismus überwunden sei, die Polizei komplett abgeschafft werden könne. Es gebe für sie dann keine andere Verwendung als „die Mülldeponie“. Polizisten möchte man „streng genommen nicht einmal in die Nähe von Tieren (lassen)“.

Die Reaktionen innerhalb von CDU und CSU können wir uns vorstellen. Es gingen Beschwerden beim Deutschen Presserat ein, Polizeigewerkschaften kündigten Strafanzeigen an. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic schrieb an die „taz“: „Die Kolumne ist von einer Menschenverachtung geprägt, die ich sonst nur bei Nazis finde.“

Auf Twitter entbrannte ein Diskurs. Die neue „taz“-Chefredakteurin Barbara Junge (die ab August 2020 eine Doppelspitze mit Ulrike Winkelmann bilden soll) entschuldigte sich, betonte aber, dass Hengameh Yaghoobifarah zur Zielscheibe von Hass und Hetze gemacht worden sei. Es widerspreche fundamental den Grundsätzen der „taz“, „Menschen, egal welcher Berufsgruppe als Müll zu bezeichnen“.

Die vor mehr als 40 Jahren als „alternatives Projekt“ gegründete „taz“ wollte immer ein Forum für Informationen und Meinungen sein, die anderswo im deutschen Journalismus noch nicht genügend vorkamen. Sie erweiterte so das Spektrum und erwarb sich dadurch Verdienste. Über die Jahre orientierte sie sich aber zunehmend an klassischen journalistischen Kriterien, wie sie sich im Zuge des bürgerlichen Journalismus bewährt haben.

Im „taz“-Diskurs gab es dann auch solche Meinungen: „Autorinnen und Autoren, die selbst mehrfach zum Ziel rassistischer Beleidigungen und Bedrohungen geworden  sind, können gleichwohl ein anderes Verhältnis zu dem Thema haben und das in emotionalere und zugespitztere Wort fassen als Autorinnen oder Autoren ohne entsprechende Erfahrungen.“

Menschen und Journalisten ohne Migrationshintergrund sollten sich ganz heraushalten.

„Den Diskurs sollten diejenigen führen, die wirklich etwas zu struktureller Diskriminierung zu sagen haben.“, twitterte „taz“-Geschäftsführerin Aline Lüllmann (Elisa Britzelmeier/Jens Schneider, SZ 22.6.20)

Ja, das kann ich (W.S.) mir wunderbar vorstellen: Die „taz“ entscheidet darüber, wer im Sinne von

Identitätspolitik

genügend Stallgeruch hat, um an irgeneinem Streit teilnehmen zu dürfen, und wer nicht.

Ich selbst (W.S.) bin ein sehr geeignetes Beispiel:

Ein alter weißer Mann.

Ja, bei dem bringt es nichts mehr. Hat keinen Zweck. Er unterfällt der Zensur der Gutmenschen.

Zum Glück kann ich mich noch auf unsere Verfassung verlassen, auf unsere Presse- und Mediengesetze. Und darf noch ein bisschen weitermachen, solange es mir die „taz“ erlaubt.

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