1. Die gerade vorgestellte EKD-Studie zu „sexuellem Missbrauch“ (880 Seiten) zeigt katastrophale Ergebnisse.
2. Angefertigt hat sie eine Forschergruppe um Martin Wazlawick von der Hochschule Hannover für 3,6 Millionen Euro.
3. Die Forscher selbst sind sehr skeptisch in Bezug auf die Signifikanz, weil fast alle evangelischen Landeskirchen die vollständige Herausgabe von Akten verweigert haben.
4. Die amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (20 Landeskirchen, 19,2 Millionen evangelische Christen), Kirsten Fehrs, zeigte sich bestürzt und hat die über 2.000 Opfer um Verzeihung gebeten. Die Studie „erschüttert die Grundfesten unserer Kirche“. Frau Fehrs zeigt sich außer Fassung, „mit welch perfider und grausamer Gewalt“ die Täter vorgegangen sind.
5. Das Narrativ, in der evangelischen Kirche gebe es weniger Betroffene von sexueller Gewalt als in der katholischen, lässt sich nicht mehr halten.
6. Es geht um 2.225 Opfer und 1.259 Täter. Aber das ist nur die „Spitze der Spitze des Eisbergs“, weil weithin die Aktenherausgabe von den evangelischen Kirchen verweigert wurde.
7. „Die evangelische Kirche und die Diakonie stehen erst am Anfang ihrer Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt.“
8. Die Aufarbeitung kommt viel zu spät.
9. Anfangs habe anscheinend Konfliktvermeidung vorgeherrscht.
10. „Schuld als prinzipiell nicht auflösbarer Zustand kann offenbar im evangelischen Selbstverständnis nicht ausgehalten werden.“
11. Bei Missbrauch in evangelischen Kitas wird auch heute noch oft bei Anzeigen „diffamiert und delegitimiert“.
12. Zeitweise wollte man die Verantwortung für sexuelle Gewalt auf Alleinerziehende schieben.
13. Vorliegende Fälle werden ab-, aber nicht aufgearbeitet.
14. Dabei müssten jetzt weitere Opfer gesucht werden, die sich bisher nicht in die Öffentlichkeit getraut haben.
15. Partiell wurde die Liberalisierung der Sexualmoral in Deutschland für die sexuelle Gewalt verantwortlich gemacht (besonders perfide).
16. Forschungen haben gezeigt, dass die Verhaltensmuster in der BRD und in der DDR gleich waren.
17. Theologen haben ihre Deutungskompetenz häufig zur Manipulation genutzt.
18. Der Föderalismus in der evangelischen Kirche „ist ein Grundpfeiler für sexualisierte Gewalt, er verhindert Aufklärung und Aufarbeitung“.
19. Wir brauchen eine übergeordnete Stelle in der EKD und pragmatische Lösungen für die Opfer.
20. „Es kann nicht sein, dass jede Landeskirche machen kann, was sie möchte.“
(Jana Stegemann/Annette Zoch, SZ 26.1.24)