Anlässllich der Landtagswahlen in Bremen erinnert sich Benno Schirrmeister (taz 12.5.23) an den Beginn des Zerwürfnisses zwischen Freud und Jung in Bremen 1909. Sie waren auf dem Weg zu einer Vortragsreise in die USA. Und besuchten im Bremer Dom den „Bleikeller“. Mit seinen speziellen Leichen. Diese begeisterten Jung und stießen Freud ab. Die „Archetypen“ und das „kollektive Unbewusste“ näherten sich dem Raunen vom deutschen Volksgeist. Begann hier ein „Vatermord“ oder eine „Autoaggression“? Sandor Ferenczy, der in Bremen dabei war, hat dem Ganzen keine so große Bedeutung beigemessen wie Protagonisten selbst.
Später wurde Carl Gustav Jung ein richtiger Nazi (vgl. Ludwig Marcuse: Mein zwanzigstes Jahrhundert. Auf dem Weg zu einer Autobiographie. Frankfurt am Main und Hamburg: Fischer 1968, S. 141-151). Deswegen ist Jung in Deutschland so beliebt. Weil er kein Jude war und die Sexualität im Gegensatz zu Freud ächtete. Drei Zitate genügen hier zum Beleg: „Das arische Unbewusste hat ein größeres Potential als das jüdische.“ „Meines Erachtens ist es ein schwerer Fehler der bisherigen medizinischen Psychologuie gewesen, dass sie jüdische Kategorien … unbesehen auf den christlichen Germanen und Slawen verwandte.“ „Wo war die unerhörte Spannung und Wucht, als es noch keinen Nationalsozialismus gab? Sie lag verborgen in der germanischen Seele, in jenem tiefen Grunde, der alles andere ist als der Kehricht-Kübel unerfüllbarer Kinderwünsche und unerledigter Familienressentiments.“
Das ist klassischer nationalsozialistischer Rassismus. Und heute will das wieder keiner wahrhaben.
1945 erkannte der Schweizer Carl Gustav Jung dann die deutsche Kollektivschuld.