1. Immer noch heißt es vielmals, und nicht nur in der Psychologie, sondern auch in vielen Sozialwissenschaften, wir kämen als weißes, unbeschriebenes Blatt Papier auf die Welt. Das werde dann im Laufe des Lebens beschrieben (Stefanie Kara/Rudi Novotny, Die Zeit 19.5.22)
2. Diese Aussage ist falsch.
3. 2018 haben 3,2 Millionen Menschen einen Psychotherapeuten aufgesucht.
4. Die Seele ist heute mehr und mehr Menschen geläufig.
5. In Studien werden diejenigen, die weniger über psychische Gesundheit wissen, häufiger als depressiv eingestuft.
6. Menschen mit niedrigem Einkommen und geringer Bildung, Arbeitslose, Kranke oder Alleinlebende leiden deutlich häufiger unter Depressionen als andere.
7. Wenn jedes denkbare Problem personalisiert wird, können gesellschaftliche Schwierigkeiten leichter auf den Einzelnen abgeschoben werden.
8. In Deutschland fällt es immer noch vielen Angehörigen pädagogischer Berufe schwer anzuerkennen, dass Schulleistungen mit der Veranlagung (Begabung) zu tun haben. Sie halten sich lieber an Ideologien.
9. Das „sozialökonomische Panel“, in dem 30.000 repräsentativ ausgewählte Deutsche regelmäßig befragt werden und das hervorragende Ergebnisse liefert, ist neuerdings durch ein Genprofil erweitert worden (Ulrich Bahnsen/Martin Spiewak, Die Zeit 19.5.22).
10. Dadurch kann die Ungleichheit unter den Menschen besser bestimmt werden.
11. Denn wer über soziale Unterschiede forscht, bleibt ohne genetische Informationen auf einem Auge blind.
12. Unsere Anlagen bestimmen nämlich unser Leben weit mehr, als wir bisher manchmal dachten.
13. Die Wissenschaft beginnt, die Blackbox der Vererbbarkeit zu öffnen.
14. Vererbt sind unsere Körpergröße, die Anlage zum Herzinfarkt, unsere Gewissenhaftigkeit, unser Egoismus und unser beruflicher Erfolg und vieles andere mehr.
15. Vieles, auf das wir stolz sind oder über das wir uns ärgern, ist unserem Einfluss entzogen. Wir haben unsere Gene nicht verdient.
16. Sprachprobleme sind zu 90 Prozent genetisch bedingt.
17. Trotzdem hat es natürlich einen Einfluss auf Menschen, ob mit ihnen wenig gesprochen oder wenig vorgelesen wird. Gene und Sozialverhalten ergänzen sich.
18. Gene beeinflussen zwar die Wahrscheinlichkeiten unseres Verhaltens, aber sie bestimmen sie nicht endgültig. Ihnen liegen hunderte bzw. tausende von Genvarianten zugrunde.
19. Genetische Unterschiede verschwinden nicht dadurch, dass wir sie ignorieren.