Juliane Rebentisch forscht und lehrt an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und an der Princeton University (USA). Sie ist eine Spezialistin für Hannah Arendt, die ja als große Wissenschaftlerin gilt. Rebentisch sieht Arendt kritisch, insbesondere was deren Analyse der US-Gesellschaft der sechziger Jahre angeht. Auch in ihrem neuen Buch
Der Streit um Pluralität – Auseinandersetzungen mit Hannah Arendt. Berlin (Suhrkamp) 2021, 287 S., 28 Euro.
Miryam Schellbach fragt in einem Interview (SZ 10.2.22) mit Rebentisch, was von Hannah Arendt bleibt:
Rebentisch: Die Überzeugung, dass man urteilen muss, auch und gerade, wenn mit Gegenrede zu rechnen ist. Auch, dass die Bewegung und Dynamik, die aus der Auseinandersetzung entsteht, ein Geschenk ist. Auseinandersetzung ist bei Arendt Zuwendung, nicht Abkehr. Auch wenn das manchmal bei ihr in Rechthaberei überging, gab es eine leidenschaftliche Verpflichtung auf die Auseinandersetzung selbst. Das hat mich am meisten beeindruckt. Immer, wenn ich Arendt unterrichte, geht es heiß her im Seminar, ihre Texte fordern auf, Position zu beziehen. Da ist dann „fire in the classroom“.