„Amnesty International“ bezeichnet Israel in seinem neuestenBericht als Apartheids-Staat. Die Palästinenser würden systematisch unterdrückt. Das sei purer „Antisemitismus“, schallt es postwendend aus Jerusalem zurück. Wie immer. Die Debatte ist vergiftet und wird kein gutes Ende finden. Auch für Israel – bei aller militärischen Stärke – nicht. Ein solches Desaster müsste von der Politik verhindert werden.
Die Lage der Palästinenser im Westjordanland ist zudem eine andere als im Gazastreifen. Dort herrscht die Hamas unerbittlich und korrupt und wird von Israel blockiert. Der palästinensischen Minderheit in Israel geht es vergleichsweise gut. Sie kann wählen und wird von einer eigenen Partei vertreten. Partiell außer acht gelassen wird von „Amnesty“ der historische Kontext und die Komplexität der Lage, die de facto nicht zu übersehen ist.
„Das alles ändert jedoch nichts daran, dass die israelische Politik den Palästinensern großes Unrecht zufügt. Der Siedlungsbau verstößt gegen das Völkerrecht, die Besatzung macht das Leben von Millionen Palästinensern tagtäglich zur Hölle. Der berechtigten Kritik daran muss sich Israel stellen – auch wenn es für viele Verantwortliche gewiss sehr viel bequemer ist, diese als Spielart des Antisemitismus zurückzuweisen.“ (Peter Münch, SZ 2.2.22)