Im Sommer 2021 wurde in Deutschland der Umgang mit der Pandemie immer sorgloser, in der Politik und bei den Menschen. Masken trug man nicht, und die Leute nutzten vollgestopfte Busse und Bahnen. Das tun sie heute noch. Und die verqueren Impf- und Maskengegner treiben alle in die Defensive. Was für ein Schwachsinn.
Das Ganze weithin auf dem Boden einer Geisteshaltung, wo die deutschen Romantiker die Richtung vorgegeben hatten: Weg vom Trubel der Städte, der Politik, hin in die sinn- und zweckfreie, eben romantische Erfahrung. Der Wald ist Balsam für die Seelen, und man soll der Natur ihren Lauf lassen. Darin der Narzissmus als Zelebration. Nur Wenige stellten sich die Frage, ob das Leben in der Republik nicht doch gewisse Implikationen habe. Ob nicht der einzelne Bürger um Staatsbürger zu sein, ein wenig Arbeit für andere verrichten müsse. Anscheinend ließ das der provinzialisierte Diskurs schon gar nicht mehr zu.
Anders als in Frankreich, wo Präsident Emmanuel Macron erklärte: „Wir sind eine Nation der Wissenschaft, der Aufklärung, die Nation von Louis Pasteur!“ Schon Jean-Paul Sartre hatte erklärt, dass es ihm nun mal wichtiger sei, ein Buch fertigzustellen, als lange indifferent vor sich hin zu leben. „Der Geist gestaltet die Natur und nicht umgekehrt.“ In Frankreich haben wir die Impfpflicht für Heilberufe, einen verbindlichen einheitlichen Sanitätspass und insgesamt eine deutliche und nachvollziehbare Linie. Das schaffen die deutschen Romantiker nicht. „Es ist unerträglich, dieses tödliche Zaudern des Staates.“ (Nils Minkmar, SZ 10.11.21)