Im Rundfunk (Radio und Fernsehen) repräsentiert die
Deutsche Welle (DW)
die Bundesrepublik im Ausland. Sie soll den „demokratischen Rechtsstaat verständlich machen“ und „den Austausch der Kulturen und Völker“ fördern. Sie wendet sich an ein internationales Publikum auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Spanisch. Dazu kommen 30 weitere Sprachredaktionen. Finanziert wird sie nicht aus dem Rundfunkbeitrag, der in Ostdeutschland (Sachsen-Anhalt) bereits umstritten ist, sondern aus Steuergeldern. 365,5 Millionen Euro im Jahr 2020.
Seit längerem steuert der Sender in die Krise. Drei Journalisten mussten ihn im Dezember verlassen. Gerüchten zufolge weil sie die Führung des Hauses kritisiert hatten. Es gibt anscheinend Fälle sexualisierter Gewalt in der arabischsprachigen Redaktion. Es soll eine Vergewaltigung gegeben haben. Wegen sexueller Belästigung, Rassismus und Diskriminierung haben 350 DW-Mitarbeiter einen Brief an den Intendanten Peter Limbourg geschrieben, in dem von „Machtmissbrauch“ im Sender die Rede ist. Cholerische Wutausbrüche von Abteilungsleitern sollen die Regel sein. Einer hat anscheinend zu einer Mitarbeiterin gesagt, sie sei zu hässlich, um vor der Kamera zu stehen. Daran konnte wohl auch eine neue Dienstvereinbarung nichts ändern. Manche ausländischen Mitarbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz. Sie können nur so lange in Deutschland bleiben, wie sie bei der DW beschäftigt sind.
Die drei entlassenen Mitarbeiter hatten darauf bestanden, dass es Anlaufstellen nicht nur im Fall von sexuellem Missbrauch und Belästigung geben solle, sondern auch bei Erniedrigungen, psychischem Druck und Drohungen. Ein vierter festangestellter Journalist wurde innerhalb des Senders zwangsversetzt. Anfang 2019 musste ein gewerkschaftlich aktiver Mitarbeiter gehen. Eine große Gruppe von Kollegen solidarisiert sich mit den Entlassenen. „Die Entlassungen stehen in eklatantem Widerspruch zu den offiziellen Versprechungen, dass man diejenigen schützen wolle, die ihre Meinung äußern.“ Nach der Entlassung hing im Berliner Gebäude der DW ein Aushang mit den Fotos der Drei. Darauf zu lesen: „Kein Zutritt DW“. Die Gewerkschaft Verdi schrieb: „Die Deutsche Welle (hat) auf dem Gebiet der Konfliktlösung jedes Maß verloren. Das betrifft die Führungskultur der DW insgesamt. Mit der Auswahl von Sündenböcken sendet der Intendant der DW ein destruktives Signal. Gehorsam und Angst sind Unternehmenszielen wie Freiheit und Dialog diametral entgegengesetzt.“ (Mohamed Amjahid, SZ 12.1.21)