3219: USA: Angriff auf die Massenmedien

Beim Angriff des von Trump aufgehetzten Pöbels auf das Kapitol wurde nicht nur die US-Demokratie angegriffen, sondern auch die Massenmedien. Die meisten von uns haben live miterlebt, wie die Korrespondentin der ARD, Claudia Buckenmaier, und der Korrespondent des ZDF, Elmar Theveßen, vor den Marodeuren fliehen mussten. So weit sie es nicht in Sicherheit bringen konnten, wurde ihr Kamera-Equipment zertrampelt. Und zwar nicht in Russland, Weißrussland (Belarus) oder China, wo das weiter nicht verwunderlich wäre, sondern in den USA, wo die Pressefreiheit und die Medienfreiheiten zuerst kodifiziert wurden und Verfassungsrang erhielten.

Auf einer Tür des Kapitols blieb die Aufschrift zurück: „Murder the Media.“ Von Anfang an verwandte Trump den Begriff „Lügenpresse“. Er bezeichnete die Massenmedien als „Fälscher“, „krank“, „Abschaum“ und „Feinde des Volkes“. Solche Begriffe verwenden in Deutschland Pegida, AfD, Querdenker, „Reichsbürger“, Impfgegner u.a.

An der Verunglimpfung der Massenmedien beteiligen sich in den USA einige Massenmedien selbst. Wie Fox News. Ihre Methode ist der hämmernde Ton der Daueranklage. Jetzt, wo der gewesene Präsident sichtlich verloren hat, setzen sie sich erstmals von ihm ab. Twitter hat den Account von Mr. Trump gesperrt. Aber diese Medien werden weitermachen. Am Markt orientiert. Von ihnen ist nichts Gutes zu erwarten. Es gibt Spekulationen über TNN, Trump News Network.

In Deutschland sind wir noch nicht so weit. Aber nur, was das Ausmaß des Irrsinns angeht, nicht die Methode. Gewalt gegen Journalisten ist auch bei uns vorstellbar. Im Oktober 2020 hing in Minden an einer Brücke über der Weser eine unbekleidete männliche Schaufensterpuppe. Ein Seil war um den Hals geschlungen, die Füße schwebten über dem Boden. Das Bild einer Hinrichtung. Vor dem Bauch hing ein Pappschild  mit der Aufschrift „Covid-Presse“ (Georg Mascolo, SZ 9./10.1.21).

In Deutschland ist jederzeit Gewalt gegen Journalisten möglich.

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