Friedrich Engels (1820-1895) war gemeinsam mit Karl Marx der Begründer des „wissenschaftlichen Sozialismus“ und (ob wir es nun wollen oder nicht) auch der Mitbegründer des realen Sozialismus, der bekanntlich seinen Höhepunkt im Stalinismus (1929-1955) fand. Jens Bisky schreibt, dass Engels‘ Denken nicht zwangsläufig zum Terror führen musste (SZ 28./29.11.20). Marx und Engels waren eine lebenslängliche Arbeitsgemeinschaft, zu der Engels vor allem seine konkrete Kenntnis der kapitalistischen Gesellschaft und seine geradezu journalistische Formulierungskunst beitrug. Engels schrieb sich selbst die „zweite Violine“ zu. Ich führe hier eine Reihe seiner Schriften auf, die alle gut lesbar, verständlich und insofern sehr wirkungsvoll waren und sind:
– Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie 1844,
– Die deutsche Ideologie 1845,
– Die Lage der arbeitenden Klasse in England 1845,
– Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft 1878,
– Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft 1880,
– Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates 1886.
Schon als ich diese Schriften während meiner 68er-Zeit las, bemerkte ich, dass viele Linke diese Schriften gar nicht wirklich kannten. Vielleicht typisch bis auf den heutigen Tag.
Engels finanzierte Marx permanent, der wie seine Frau nicht mit Geld umgehen konnte. Engels war selbst ein fähiger Manager in der Textilfabrik seines Vaters. Nicht zuletzt in Manchester, das er Marx zeigte. Hier lebte er bis zu deren Tod 1863 mit Mary Burns zusammen, ohne sie zu heiraten. Friedrich Engels war lebenslänglich stets neugierig auf Wissenschaft. Er machte die Theorien von Adam Smith (1723-1790) und David Ricardo (1772-1823) für den Sozialismus fruchtbar. Auf Wunsch seines Vaters absolvierte Friedrich Engels seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei der Artillerie und hörte in Berlin zugleich die Vorlesungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (der mit seiner Dialektik den realen Sozialismus geprägt hat). Engels behielt ein Faible für das Militär bei. Was heute gerne übersehen wird, ist die Lebenslust, die Friedrich Engels prägte und ihn auch leiblichen Genüssen zugetan sein ließ. Er führte ein selbstbestimmtes und gelungenes Leben und erschien nie pessimistisch und frustriert.
Nach Karl Marx‘ Tod 1883 wurde Friedrich Engels sein Nachlassverwalter und es gelang ihm, Marx‘ Nachruhm höchst erfolgreich zu pflegen. Er erweckte den Eindruck, als ob Marx‘ Werke topaktuell seien und zugleich von bleibendem programmatischen Wert. Der Band I des „Kapitals“ war 1867 erschienen. Schwer lesbar. Engels sorgte für die Publikation von Band II 1885 und Band III 1894. Aber sie waren nicht in Engels‘ gut lesbarem Stil geschrieben. Friedrich Engels wurde ein vermögender Mann und reicher Aktienbesitzer. Sein Vermögen vermachte er den Marx-Töchtern und deren Familien (Ulrike Herrmann, taz 28./29.11.20; Christian Staas, Die Zeit 26.11.20).