Der Grund dafür, dass viele Deutsche heute noch soviele Probleme mit dem Redchtsextremismus haben, ist einfach zu benennen. Zugleich ist er beschämend für uns alle. Er liegt nämlich darin, dass viele von uns selbst immer noch dem Rassismus der Nazis nahe sind. Wir glauben doch auch nicht, dass der Antisemitismus am 8. Mai 1945 vorbei war. Er war zwar auch von den Nazis verordnet, aber schon lange vorher fest im Volk verankert. Insofern ist der Rechtsextremismus bei der Polizei, der Bundespolizei und der Bundeswehr überhaupt nicht neu. Er trat nur nach Angela Merkels Satz „Wir schaffen das.“ 2015 deutlicher als vorher zutage.
1945 waren die Nazis alle noch da. Es gab die SRP als Auffang-Partei. Dort wirkte zum Beispiel der Kommandeur des Wachbataillons mit, Major Ernst Remer, der die Ermordung mehrerer Widerstandskämpfer des 20. Juli auf dem Gewissen hat. In der FDP waren damals viele Ex-Nazis. Auch in der in Niedersachsen starken Welfenpartei DP. Und Anfang der sechziger Jahre kam ja schon die NPD, die bis in die achtziger Jahre hinein bedeutend war. Es gibt sie heute noch. Neben der AfD. In der Geschichte der Bundesrepublik wurde der Rechtsextremismus häufig verharmlost. Die falsche These von den Einzeltätern machte die Runde. Das bezieht sich auch auf das Oktoberfestattentat von 1980. Vor kurzem erst sind die zehn NSU-Morde (Bönhardt, Mundlos, Zschäpe) abgeurteilt worden. Aber nicht vollkommen aufgeklärt. Dazu wird es höchste Zeit.
Im Bericht von Innenminister Horst Seehofer (CSU) tauchen 377 rechtsextemistische Verdachtsfälle seit 2017 bei den Sicherheitsbehörden und 1.064 bei der Bundeswehr auf. Allein in Nordrhein-Westfalen sind seit März 59 rechtsextreme Vorgänge bei der Polizei bekannt geworden. Dort spricht Innenminister Herbert Reul (CDU) immer noch von Einzelfällen. Das ist unglaubwürdig. Auszugehen ist von einem „Dunkelfeld“. Wahrscheinlich steckt hinter den rechtsextremistischen Vorfällen ein System, das ausgehoben werden muss. Es reicht nicht, dass der Verfassungsschutz weitere Analysen anstellt, weil er selbst seit seinem Versagen beim NSU-Komplex im Verdacht steht (Alexandra Föderl-Schmid, SZ 7.10.20).
Was es sowohl bei der Polizei als auch bei der Bundeswehr braucht, ist verstärkte und kundige politische Bildung.