3057: Juliette Gréco ist tot.

Im Alter von 93 Jahren ist die musikalische Ikone des Existentialismus, Juliette Gréco, gestorben. Sie hat mit Jean-Paul Sartre, Albert Camus und Jacques Prévert diskutiert und für das allgemeine Publikum gesungen. Sie war der schwarze Engel der Liberté. Ihre Karriere ist nur verständlich, wenn wir uns klarmachen, dass sie sich zum richtigen Zeitpunkt in den richtigen Kontext gestellt hat, den des Existentialismus nach 1945. Das ist heute wohl schon weithin unbekannt.

Die berühmtesten Schriftsteller wetteiferten darum, für sie Liedtexte zu schreiben. Die 16-jährige Juliette, die Tochter einer Widerstandskämpferin, war der Deportation entgangen, während ihre Mutter ins KZ Ravensbrück kam. Juliette Gréco hat dann nach dem Krieg das Lebensgefühl in Saint-Germain-des-Prés mit geprägt, das seit langem verschwunden ist. Im Gegensatz zu Edith Piaf gab Juliette Gréco sich intellektuell angehaucht und politisch eingefärbt. Sie unternahm in den frühen Fünfzigerjahren Tourneen nach Amerika, die ihren Ruhm befestigten. In der Ehe mit Michel Piccoli bildete sie seit 1966 ein glamouröses Paar. Danach verlangsamte sich der Rhythmus ihrer Auftritte. Aus der Sängerin wurde allmählich ihr eigener Mythos (Joseph Hanimann, SZ 25.9.20).

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