Unsere Schwaben gelten als fleißig und tüchtig. Und wahrscheinlich sind sie es. Alle Wirtschafts- und Pisadaten sprechen dafür. Um nicht noch mehr zu nennen. Nun haben sie zum ersten Mal etwas zutiefst Unordentliches bei sich selbst erfahren.
Ungefähr 500 randalierende junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt. Bei 40 Geschäften wurden die Schaufenster eingeschlagen, in neun Läden kam es zu Plünderungen, 20 Polizisten wurden verletzt. 24 Personen wurden festgenommen, darunter sieben Minderjährige, 12 mit deutschem Pass. Sie entstammten der „Party- und Eventszene“. „Gewalt ist männlich und betrunken“. Auch da, wo die Grünen den Ministerpräsidenten (Winfried Kretschmann) und den Oberbürgermeister stellen (Fritz Kuhn). Ausgangspunkt war die Kontrolle eines 17-jährigen Deutschen, der unter Verdacht stand, Drogen zu besitzen. Mit ihm solidarisierte sich die Szene.
Die Randale begann um kurz vor Mitternacht und endete erst gegen halb fünf, als 100 Polizisten aus dem Umland eingetroffen waren. Insgesamt waren 300 Beamte im Einsatz. Es gibt zahlreiche Smartphone-Videos, auf denen die Gewalt zu sehen ist. Die Gewalttäter wurden von vielen Menschen angefeuert. Zentrum des Geschehens war der Schlossgarten, ein beliebter Treffpunkt am Wochenende. In Clubs und Diskotheken konnten die jungen Gewalttäter nicht, weil die noch geschlossen sind.
Befeuert wurden Kriminalität und Gewalt vom Alkohol. Stuttgarts Polizeipräsident Frank Lutz fügte hinzu, dass für einen Teil der Kriminellen Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber der Polizei offenbar zur Selbstinszenierung in den sozialen Medien gehören.
Im Stuttgarter Polizeipräsidium wurde eine 40-köpfige Ermittlungsgruppe für die Randale gebildet (Claudia Henzler, SZ 22.6.20).