Am 2. Juni 2020 wird Marcel Reich-Ranicki 100 Jahre alt. Das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) widmet ihm dann eine „Spezialausgabe“. Es sind neue Bücher über Reich-Ranicki erschienen. U.a. Volker Weidermann: Das Duell – Die Geschichte von Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki. Köln (K & W) 2020, 320 S., 22 Euro.
Die FAZ (30.5.20) bringt Auszüge aus dem Tagebuch von Volker Hage (zuerst FAZ, dann „Zeit“ und „Spiegel“). Darin heißt es am 29.9.1983: „R-R ein gewidmetes Exemplar meiner Frisch-Monographie auf den Schreibtisch gelegt. Er dankt und gibt sich verschwörerisch: ‚Sagen Sie es niemandem und schreiben Sie es nicht, was ich Ihnen jetzt sage. Max Frisch ist ein zweitrangiger Schriftsteller. Aber unter den zweitrangigen ist er der Beste.'“
Der Briefeschreiber Reich-Ranicki ist weniger bekannt. Da ist noch manches zu erwarten. Die FAS (31. Mai 2020) bringt sechs Briefe. U.a. einen an Martin Walser (24. April 1986). Da heißt es: „Ihre Postkarte vom 21. April habe ich erhalten. Ich darf annehmen, dass das von Ihnen ausgewählte Gedicht von Peter Hamm (‚Niederlagen‘) zu den Höhepunkten des poetischen Werks dieses Autors gehört. Nun werden also die Leser das Niveau der Lyrik von Hamm genau erkennen können. Zugleich wird ihr Beitrag allen ihren literarischen Geschmack deutlich machen. Dass ich dieses Gedicht für miserabel halte und in ihm keine einzige Zeile finde, die ich als poetisch bezeichnen könnte, braucht Sie nicht im geringsten zu stören. Ich halte zu meinem Wort. …“