Der Philosoph Richard David Precht, 55, schreibt über die Corona-Pandemie (Die Zeit 2.4.20):
„Lässt sich aus alledem ein Sinn ablauschen? Nein, das Virus ist keine Rache der geschundenen Natur am Parasiten Mensch. Und es ist auch nicht die logische Folge des brutal globalisierten Kapitalismus, wie viele Linke meinen. Pandemien gab es schon lange vor der modernen Globalisierung, auch das Zeitalter der Karawanen und Segelschiffe kannte die Pest und die Pocken, die Cholera, Hämorrhagisches Fieber und Englischen Schweiß. Sicher, die Ausbreitung der Seuchen war langsamer, die Welt rückt näher zusammen und damit die Verantwortlichkeit. Das Virus ist nicht das Ende der Globalisierung, auch wenn es die Augen dafür öffnet, wie fragil sie ist. Ohne ein regionales und analoges Back-up sind die Risiken der globalen Ökonomie nicht abzusichern. Globalisierte Ökonomie ist per se weder schlecht noch gut, einzelne Abhängigkeiten sind es schon. Corona zerstört auch nicht die EU, so viel Anteilnahme für die Italiener war selten und die Phrase von der Krise als Chance nie so zutreffend.“